Handball: Von der Glasbausteinhalle zum modernen Multifunktionspalast

Holzboden mit Nagelbremse

Steinfurt/Ochtrup

Musik per Sprachbefehl – früher undenkbar. Autos, die von alleine fahren – kaum zu glauben. Nur im Sport muss der Mensch noch selbst vor den Ball treten, damit er rollt und der Läufer seine Muskeln aktivieren, damit sie Bewegungen ausführen. Beim Material allerdings haben Forschung und Entwicklung Fortschritte gemacht, die den Athleten heutiger Tage das Schwitzen angenehmer machen oder das Radfahren bequemer und schneller. Die WN stellen in einer Serie dar, wie sich das Material in verschiedenen Sportarten verändert hat:

Günter Saborowski

Mit seinen Glasbausteinen und dem Holzboden versprühte die alte Baumgartenhalle in Stemmert, in der der TB Burgsteinfurt (hier Jennifer Butkus, M.) jahrelang seine Heimspiel austrug, den Charme der 70er Jahre. Ralf Wicher (o.r.) und Horst Cielejewski (u.l.) kennen noch die Sommerrunde mit Feldhandball auf Kleinfeldern. Foto:

Es gibt Sportarten, in denen hat sich in puncto Materialveränderung in den letzten 60 Jahren wenig getan. Was soll sich auch groß verbessern lassen bei einer Sportart, die lediglich einen Ball, ein Spielfeld und zwei Mannschaften benötigt? Die gravierendste Veränderung beim Handball ist ohne Frage der Gang in die Halle. Bis 1973 gab es eine Feldhandball-Bundesliga. Der letzte Deutsche Meister unter freiem Himmel war 1975 die TSG Haßloch aus dem Landkreis Bad Dürkheim in Rheinland-Pfalz. Seit 1977 existiert nur noch die Hallenhandball-Bundesliga.

Mit dem Wechsel vom Feld- zum Hallenhandball hat sich vor allem am unteren Ende des Spielers zwangsläufig eine Veränderung ergeben. „Ich habe noch Feldhandball gespielt, mit Fußballschuhen, die jedoch keine Schraubstollen hatten, sondern Nocken“, erinnert sich Horst Cielejewski, Jahrgang 1956, aus Nordwalde. „Der Ball war aus richtigem Leder, und gespielt wurde auf Rasen oder Schlacke. Das Feld war deutlich größer als in der Halle“, so Cielejewski weiter. Es entsprach den Ausmaßen eines Fußballplatzes. Zudem bestand eine Mannschaft aus elf Spielern – wie beim Fußball.

Mit dem Wechsel in die Halle veränderte sich bei den Spielern nicht nur das Schuhwerk, auch das Spielgerät bekam eine andere „Note“. „Beim Feldhandball wurde natürlich nicht geharzt. Das hätte auch keinen Sinn ergeben, denn draußen war der Ball mal nass, mal sandig. Da hält kein Harz“, sagt der ehemalige Steinfurter Trainer, der es durchaus „schade“ findet, dass der Feldhandball von der Halle verdrängt wurde. Cielejewski: „Man lernt die Technik, mit dem Ball umzugehen, draußen besser als in der Halle.“ Durch den Untergrund, auf dem der Ball verspringen könne, müsse sich der Spieler mehr mit dem Spielgerät anfreunden, als es heute der Fall sei.

Heinz Ahlers, ehemaliger Coach der Ochtruper Handballer, hat ebenfalls noch den Feldhandball erleben dürfen. „Das war Ende der 1960er Jahre. Im Juni oder Juli, ganz genau weiß ich das nicht mehr, wurde immer eine Sommerrunde auf Kleinfeldern gespielt“, waren laut Ahlers, Jahrgang 1952, Mannschaften aus Gildehaus und Bentheim neben den Ochtrupern ständige Teilnehmer.

Die gravierendste Veränderung beim Material, so der ehemalige Ochtruper Torwart, weiter, habe er beim Ball erlebt: „Wenn man früher mal einen Ball genau ins Gesicht bekommen hat, dann merkt man den Unterschied zu heute. Der Ball ist erheblich weicher und meistens auch nicht mehr so hart aufgepumpt. Zudem liegt er leichter in der Hand, weil man ihn dadurch auch krallen kann – selbst ohne Harz.“

Ralf Wicher erinnert sich noch gut daran, dass er in seiner Jugend häufig Materialprobleme hatte: „Die ersten Trikots, die wir uns zugelegt hatten, waren aus einem Billigladen, wo wir die Nummern hinten selbst draufgeklebt haben. Beim Training waren wir froh, wenn wir drei Bälle hatten. Die waren teuer, und vom Verein hatten wir keine Unterstützung. Unser erster Ball war aus Plastik, den man kaum greifen konnte.“

Hinsichtlich des Schuhwerks weiß er noch, dass es keine speziellen für den Handball gab. Mit Adidas Samba wäre es gegangen. Die heutigen seien deutlich besser, allein wegen der Dämpfung. Auch beim Ball sei der Unterschied zu früher immens: „Beim WM-Finale hat der Landin einen Ball ins Gesicht bekommen und konnte weiterspielen. Mit dem alten Ball wäre der bewusstlos gewesen“, hat Wicher ein gutes Beispiel parat. In puncto Halle und Boden hat der Ochtruper für sich die gravierendste Veränderung festgestellt: „Wir haben in der Anfangszeit in der Halle des PSV Münster gespielt. Die hatte einen Parkettboden, der war genagelt. Im Laufe der Jahre schauten die Nägel mehr und mehr aus dem Holz heraus.“ Verletzungen inklusive.

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