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Hallenturnier in der Burgsteinfurter Kreissporthalle übt Magnetwirkung auf die Fans aus

Schwarz-Gelb im Spielrausch

Burgsteinfurt

Die Corona-Pandemie verhindert momentan die allermeisten Hallenturniere. Die Westfälischen Nachrichten blicken deshalb zurück auf bessere Tage des „Budenzaubers“.

Von Marc Brenzel

1992 gewann erstmals der Gastgeber den begehrten Pokal. Im Finale setzte sich SG Burgsteinfurt verdient mit 4:1 gegen die Sportfreunde Lotte durch. Foto: SV Burgsteinfurt

Mitte der 1980er-Jahre gab es eine kleine fußballerische Revolution: Verband und Kreis führten die Winterpause ein. Das war gleichzeitig die Geburtsstunde der Hallenturniere, die jahrelang für voll besetzte Tribünen sorgten. Auch die SG Burgsteinfurt erkannte den Trend und lud 1987 erstmals zum Budenzauber in die Kreissporthalle an der Liedekerker Straße ein. Daraus entwickelte sich ein Wettbewerb, der für viele Stemmerter zu einem echten Saisonhöhepunkt wurde.

„Die Sportvereinigung Schwarz-Gelb Burgsteinfurt 1910 möchte durch die Ausrichtung dieses Hallenfußballturniers dazu beitragen, die eingeführte Winterpause zu überbrücken und gleichzeitig den zahlreichen Fußballfans im hiesigen Raum auch während der ,fußballlosen‘ Zeit attraktiven Sport bieten“, begrüßte der damalige SG-Vorsitzende Wilhelm Droste die Zuschauer via Turnier-Zeitung.

Federführend in der Organisation zeigte Lothar Schrapp, der gleich bei der Premiere am 31. Januar/1. Februar ein Teilnehmerfeld zusammenstellte, das sich sehen lassen konnte und vom ASC Schöppingen angeführt wurde. Das war zu Hochzeiten der Grün-Weißen, die als amtierender Westfalenmeister anreisten. Das von Bernard Dietz trainierte Starensemble wurde seiner Favoritenrolle gerecht und gewann das Finale gegen den damaligen Landesligisten SF Lotte mit 1:0. Europameister Dietz gab die Zusage, auch 1988 anzutreten. Einzige Bedingung: Die kleinen Handballtore mussten den größeren Jugendfußballtoren weichen. Dem ASC mauerten die „Underdogs“ einfach zu viel.

Auch in den beiden Folgejahren triumphierten die Schöppinger. 1989 übrigens im Finale gegen die gastgebenden Schwarz-Gelben mit 3:1. Den Ehrentreffer erzielte Ernst Beckwilm. „Eine tolle Zeit. Da sind sonntags 400 Leute in die Halle gekommen. Für uns Spieler war das immer eine besondere Ehre, bei unserem Turnier mitmachen zu dürfen“, erinnert sich der frühere SG-Torjäger. „Dabei waren zunächst nicht alle vom Hallenfußball überzeugt. Es gab auch Stimmen, die auf eine erhöhte Verletzungsgefahr hinwiesen.“

1990 blieb der Pokal erstmals in Steinfurt, als der SV Wilmsberg das Finale gegen Emsdetten 05 mit 5:1 gewann. Zwei Jahre später war SG an der Reihe. Im Endspiel wurden die Sportfreunde Lotte mit 4:1 bezwungen. Stefan Wittrock, Tim Otte, Andreas Veit und Beckwilm trugen sich in die Torschützenliste ein und sicherten ihrer Mannschaft 750 DM Siegprämie. „SGB im absoluten Spielrausch“ titelten die Medien tags darauf. „Richtig cool, die Halle stand Kopf“, weiß Beckwilm noch wie heute. 1993 wiederholte das Team den Triumph und schlug im Finale den TuS Altenberge (2:1). Klaus Kühnel traf im Turnierverlauf elf Mal und wurde bester Torschütze.

DJK Rasensport Burgsteinfurt brilliert als Underdog

In den 90er-Jahren erlebte der Hallenfußball seine Blütezeit. Sowohl bei den Profis als auch auf Amateurebene. 1997 wurden in Burgsteinfurt gar zwei Turniere ausgetragen – eines im Januar, das andere Ende Dezember. Dabei handelte es sich um das vorweggenommene Januar-Turnier des folgenden Jahres. Beim zweiten überraschte die DJK Rasensport Burgsteinfurt. Der damalige A-Ligist qualifizierte sich samstags für das Hauptturnier am Sonntag und schlug dort im Finale Arminia Ochtrup.

SG und DJK fusionierten, und 1999 fand der Wettbewerb erstmals unter der Regie des neuen SV Burgsteinfurt statt. Es sollte allerdings bis 2003 dauern, ehe die Kicker des Fusionsvereins die Hände an den Pokal legen durften. Verbandsligist SF Lotte wurde im Finale von dem A-Liga-Spitzenreiter mit 3:0 aus der Kreishalle geschossen. René Benölken, Michael Lüders und Frederik Lindenbaum hießen die Torschützen des Teams, das von Uwe Laurenz trainiert wurde.

Der Rheinenser hat noch genau vor Augen: „Für die Mannschaft und den Verein war das Turnier extrem wichtig. Die Jungs waren so heiß, dass ich sie nur noch von der Leine lassen musste. Taktisch habe ich da auch nicht mehr viel machen müssen. Und auf der Tribüne ging es richtig ab. Wir hatten eine starke Truppe. Christoph Brouwer, Jens Stapper, Michael Lüders und wie die alle hießen.“

Das begründete eine SVB-Dynastie, denn bis 2017 folgten zehn weitere Triumphe. Im Rahmen der 25. Auflage gab es einen 2:1-Sieg über Preußen Borghorst – Amjad Abu Hamid und Lars Kormann trafen für die Hausherren, Michael Barbato für den SCP. Auch spektakulär: 2013 siegten die Stemmerter erst bei den Turnieren in Wilmsberg und Borghorst sowie letztlich beim eigenen.

Den Hut hatte Claus Klipp, die Betreuer-Institution der Rot-Gelben, auf. „Die Trainer hatten irgendwie nicht so richtig Lust. Dafür brannten die Jungs. Jeder wollte unbedingt dabei sei und den Pokal holen. Und natürlich den Siegerscheck. Das Geld konnte die Mannschaft gut gebrauchen, sie wollte ja schließlich im Sommer nach Malle fliegen“, schmunzelt Klipp.

2020 wurde das Turnier zum 34. und – coronabedingt – vorerst letzten Mal ausgetragen. Gewinner war der SV Mesum, der den FC Eintracht Rheine mit 2:0 in die Schranken wies. Rekordtitelträger sind die ausrichtenden Burgsteinfurter, die insgesamt 15 Mal ganz oben standen.

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