Fußball: Levin Schmieder und das Kreuzband

Simple Grätsche und ein Jahr Pause

Burgsteinfurt/Hor...

Ein falscher Schritt und schon ist‘s geschehen: Kreuzbandriss. Bei Marcel Brameier lag die Kugel vor seinen Füßen, bei Levin Schmieder war es eine Grätsche in Richtung Ball – nur um zwei Beispiele zu nennen.

Günter Saborowski

Levin Schmieder (l.) in der Jugend beim FCE Rheine und in seinem letzten Spiel gegen Ibbenbüren, bei dem er sich den Kreuzbandriss zuzog. Da waren die Haare schon deutlich gewachsen. Foto: Thomas Strack

Für die meisten Menschen ist die Zeit der Pandemie eine harte Probe. Es gibt allerdings auch Fälle, bei denen man – zumindest ein bisschen – von Glück im Unglück sprechen könnte. Bei Levin Schmieder zum Beispiel. Der Neuzugang des SV Burgsteinfurt zog sich am letzten Spieltag der Saison 20/21, die mittlerweile annulliert wurde, in der Begegnung gegen die Ibbenbürener Spielvereinigung eine Verletzung zu und wurde mit dem Rettungswagen ins Marienhospital abtransportiert. Diagnose: Kreuzbandriss im Knie. In der Regel schließt das einen Fußballer durch Operation und Rekonvaleszenz ein Jahr lang vom Spielbetrieb aus. Corona jedoch verpasste bekanntermaßen allen Amateurkickern eine Zwangspause – wodurch Schmieder seine Malaise in aller Ruhe auskurieren konnte – ohne sportlich viel zu verpassen.

„Das war richtig blöd. Ich bin bei einer Grätsche, kein Zweikampf, im Rasen hängen geblieben“, erläutert der 19-Jährige den Verlauf seiner Verletzung. Wenn‘s mal Rasen gewesen wäre, doch Schmieder blieb im Kunstrasen hängen. Was zum Leidwesen seines Trainers Christoph Klein-Reesink auch schon einigen anderen seiner Spieler widerfahren ist. Neben Hendrik Telgmann (2015), Marcel Brameier und Lucas Bahlmann (2019) waren im vergangenen Jahr Levin Schmieder sowie Jannik Grabbe betroffen. Mannschaft und Trainer können sich freuen, dass der neue Kunstrasen bald fertig gestellt sein sollte. „Der kurioseste war der von Brameier, der sich beim Aufheben des Balles verletzt hat, allerdings auf Rasen, ebenso wie Bahlmann. Grabbe hat sich auf dem Kunstrasen bei Münster 08 den Kreuzbandriss eingefangen“, erinnert sich Klein-Reesink.

„Ich dachte erst, dass es was an den Bändern oder Meniskus sein würde. Zu Anfang hatte ich zwei Wochen lang starke Schmerzen, und bin am 9. November von Dr. Schulte in Borghorst operiert worden. Jetzt kann ich wieder Rad fahren und auch joggen“, hat Schmieder wieder Bewegung. An Fußball denkt er auch schon: „Laut Dr. Schulte sollte man ein Jahr warten. Ich hoffe aber, dass ich zur Vorbereitung auf die neue Saison wieder einsteigen kann.“ Das wäre bereits im Juli.

Und dann am liebsten auf der Zehn. „Das ist eine Position, auf der mir meine Schnelligkeit zugute kommt“, grinst er, denn genau das Gegenteil ist der Fall. Dennoch möchte er seinen Offensivdrang gerne ausleben. Bei den A-Junioren in Rheine war er in der Saison 2018/19 der beste Torschütze seiner Mannschaft. In Stemmert konnte der 19-Jährige seine Torgefährlichkeit in acht Spielen verständlicherweise noch nicht so recht unter Beweis stellen.

So ungewöhnlich wie seine Haarpracht ist auch sein Vorname Levin. „Keine Ahnung, welche Bedeutung der Name hat. Irgendwas Arabisches?“ Weit gefehlt, wird er aufgeklärt. Levin stammt aus dem Niederländischen oder Niederdeutschen und bedeutet „der liebe Freund“ oder „Volksfreund“. „Wieder was dazu gelernt“, kommt seine Antwort. Bei den Haaren, die im Wuchs ein wenig an den Bayern-Spieler Leroy Sané erinnern, weiß er besser Bescheid: „Die habe ich wohl von meinem Vater geerbt. Mein Bruder hat sie früher auch so getragen, jetzt aber nicht mehr. Ich wollte das einfach mal ausprobieren, die wachsen zu lassen. Mit 14 habe ich damit angefangen“, erzählt der Fan von Borussia Dortmund: „Die schaue ich mir ganz gerne an.“ Daher gefielen ihm die die Trikots der vorherigen Saison in Schwarz-Gelb auch besser. Dass Klein-Reesink ihn zum SV Burgsteinfurt geholt habe, weil er, Schmieder, ebenfalls Dortmund-Fan sei, halte er für ein Gerücht. Die neuen Trikots, sehr ähnlich denen, die er in der Rheiner FCE-Jugend getragen hat, treffen daher weniger des BVB-Fans Geschmack: „Nur das Rot stört ein wenig.“

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