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Fußball: Dietrich Schulze-Marmelings neues Buch „Tradition schießt keine Tore“

„Super League wird kommen“

Altenberge

Ist die geplante Super League für den Fußball unausweichlich? Und was haben einst erfolgreiche Traditionsvereine wie Werder Bremen oder Schalke 04 in der Vergangenheit falsch gemacht, dass sie momentan weit weg von einer Teilnahme an dieser sind? Dietrich Schulze-Marmeling gewährt in einem Interview mit WN-Redakteur Marc Brenzel einige Einblicke in sein neues Werk „Tradition schießt keine Tore“.

Von und

Der Altenberger Dietrich Schulze-Marmeling hat sich in seinem neuesten Buch mit Traditionsvereinen und speziell dem SV Werder Bremen befasst. Foto: Marc Brenzel

Der Altenberger Dietrich Schulze-Marmeling hat seinem neuesten Buch den Titel „Tradition schießt keine Tore“ gegeben. Zusammen mit dem früheren Nationalspieler Marco Bode zeigt der 65-Jährige am Beispiel von Werder Bremen auf, warum eine ruhmreiche Clubvergangenheit und eine starke Fanbasis keine Garantien sind, um im modernen Fußball erfolgreich zu sein. Schulze-Marmeling und Bode gehen auf 270 Seiten darauf ein, wie schwierig das Geschäft im Profifußball ist. Dabei heben sie nicht mahnend den Zeigefinger, sondern bieten Handlungsoptionen an. Mit dem Altenberger Autor sprach WN-Sportredakteur Marc Brenzel über das Thema „Traditionsvereine“.

Herr Schulze-Marmeling: Wie ist die Idee entstanden, sich mal mit den Traditionsvereinen – hier am konkreten Beispiel Werder Bremen – zu befassen?

Schulze-Marmeling: Im Frühjahr 2021 rief mich Marco Bode an, ob wir nicht einmal was über die Entwicklung des Fußballs schreiben wollten. Er war zu diesem Zeitpunkt noch optimistisch, dass Werder die Klasse hält. Nach dem Abstieg ein paar Wochen später wollte er eigentlich einen Rückzieher machen, aber ich hatte dazu eine komplett andere Meinung.

Obwohl Marco Bode skeptisch war, scheinen Sie sich durchgesetzt zu haben.

Schulze-Marmeling: Marco hatte die Befürchtung, dass ihm das Buch eventuell als eine Art Rechtfertigung ausgelegt werden könnte – er war ja zum Zeitpunkt des Abstiegs noch Vorsitzender des Aufsichtsrats. Aber das ist es nicht. Wir zeigen die Entwicklung in Bremen schon weit vor der Abstiegssaison auf und befassen uns mit den Gegebenheiten in einer veränderten Fußball-Landschaft. Wir wollten erst titeln „Werder wird nie wieder Meister“.

Als Westfale hätten Sie die Problematik doch auch am Beispiel des FC Schalke 04 beschreiben können. Wieso dann Werder?

Schulze-Marmeling: Zum einen, weil ich Dortmund-Fan bin. Für Werder sprach zum anderen die Innenansicht, die Marco mitgebracht hat. Ich habe das mehr von außen betrachtet.

Bremen und Schalke sind zwei Beispiele, aber es gibt doch genug andere Traditionsclubs, die hinter den Ansprüchen zurückhinken. Was sollten die unternehmen?

Schulze-Marmeling: Realistischer sein, bestimmten Themen ein lokales und regionales Gesicht verpassen, eine andere Ideologie entwickeln und die hohen Erwartungen zurückschrauben, nicht immer einen Titel ins Auge fassen. Dafür die Nachwuchsarbeit forcieren, den Frauenfußball fördern oder lokale und regionale Projekte in Angriff nehmen.

Das Titelrennen in der Bundesliga ist langweilig geworden. Was muss passieren, um da wieder mehr Spannung reinzukriegen?

Schulze-Marmeling: Das ist extrem schwierig. Auf jeden Fall muss sich die Verteilung der Fernsehgelder verändern. Eine Einführung der Play-offs begrüße ich nicht. Wer nach 34 Runden vorne steht, der sollte der Meister sein. Und 50 + 1? Ich brauche das nicht, aber wenn, dann für alle oder keinen.

Wie stehen Sie zur Diskussion um die europäische Super League? Was würde das für die Traditionsvereine bedeuten, die nicht zu diesem Wettbewerb eingeladen werden?

Schulze-Marmeling: Diese Vereine sollten sich schon mal zusammensetzen und über Alternativen nachdenken, wie die Bundesliga ohne Bayern und Dortmund aussehen könnte, denn die Super League wird kommen. Die Frage, die sich dann stellt: Sollen der FCB und der BVB trotzdem weiter in der Bundesliga antreten?

Was meinen Sie?

Schulze-Marmeling: Entweder oder – beides geht nicht. Auf jeden Fall wäre die Super League nicht das Ende des Fußballs. Spannung gibt es auch so: Sei es wie in der letzten Saison in der Uefa Europa League. Aus Sicht der Bayern und des BVB ja eine Liga, die sich unter ihrer Würde befindet. Oder in der 2. Liga oder der Regionalliga, in der sich Münster und Essen einen tollen Zweikampf geleistet haben.

Welche Traditionsvereine bedeuten Ihnen viel?

Schulze-Marmeling: Ich bin als BVB-Fan sozialisiert worden. Den SV Werder verfolge sich sehr intensiv seit seiner Zeit als Bayern-Herausforderer, und natürlich den SC Preußen. Das bleibt nicht aus, wenn man in der Peripherie von Münster lebt. International sind das Celtic Glasgow, Manchester United und Ajax Amsterdam.

Wer wird Deutscher Meister?

Schulze-Marmeling: Ich denke, die Bayern machen es. Und das obwohl sich Dortmund sehr gut verstärkt hat. Vielleicht kann auch Red Bull eine Rolle spielen, obwohl ich sagen muss, dass ich alles andere als ein Leipzig-Fan bin. Die Konstruktion gefällt mir nicht.

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