1. www.muensterschezeitung.de
  2. >
  3. Sport
  4. >
  5. Lokalsport
  6. >
  7. "Wir fühlen uns hier zu Hause" - Nottulns Dritte nimmt den dritten Anlauf

  8. >

Fußball: Kreisliga D

"Wir fühlen uns hier zu Hause" - Nottulns Dritte nimmt den dritten Anlauf

Nottuln

Seit 2019 gibt es eine dritte Fußballmannschaft bei GW Nottuln, jetzt hofft die Truppe auf die erste reguläre Saison in der Kreisliga D. Spielertrainer Sakir Omar spricht über ein Team, das viele Generationen und Nationen vereint.

Von Thomas Austermann

Zwei nur unvollständige Spielzeiten stand die neue Dritte durch und steht „praktisch wieder am Anfang“, wie Spielertrainer Sakir Omar findet. Der Ehrgeiz der Elf hat in der Auszeit nicht gelitten. Foto: PR

Zweimal ausgebremst von der Pandemie und trotzdem noch immer am Ball: Die dritte Fußball-Mannschaft von Grün-Weiß Nottuln ist eine eingeschworene Einheit und lässt sich so schnell nicht von ihrem Plan abbringen, den 2019 der Spielertrainer Sakir Omar gemeinsam mit Freunden und Verwandten ausheckte.

„Wir fanden damals, dass dieser so gut aufgestellte Verein ein Team braucht, das als Bindeglied zwischen den Junioren und der Ersten sowie Zweiten aufgestellt wird“, sagt der 30-jährige in Münster beschäftigte Verwaltungsfachangestellte.

Bevor er den Club fragte, sammelte er Zusagen von 20 Männern, die kicken wollten. „Eine Basis hatten wir also und dann hat mich Fußball-Geschäftsführer Martin Schinke unterstützt.“ Dem GWN-Dauerbrenner aus der Verantwortungsebene war wichtig, „dass die Mannschaft eine Zuverlässigkeit garantiert und der Kader groß genug ist, um eine komplette Saison schultern zu können.“ Omar versprach das alles – in Nottuln waren er und viele aus der aktuellen Dritten lange bekannt, weil sie teils schon als   Junioren spielten. „Wir wollten unserem Verein, der so viel tut für die Stadt, auch etwas geben – ein Angebot für die Menschen, die hier heimisch geworden sind nach manchmal schweren Jahren.“

GW Nottulns Zweite unterstützt, wenn nötig

Saison eins in der Kreisliga D war nach 16 Spielen vorzeitig zu Ende, die nächste nach nur acht Runden. „Wir standen vor dieser Serie praktisch wieder ganz am Anfang“, sagt Omar, der es tatsächlich schaffte, dass „90 Prozent der Mannschaft“ dem Ball, dem Training und dem geliebten Spiel treu blieben. „Der überwiegende Teil der Mannschaft besteht aus Freunden und solchen, die familiäre Verbindungen haben“, erklärt Sakir Omar.

Seine Brüder Mesud und Joan spielen mit und die beiden aus dem Libanon stammenden Brüder Mohamad und Hussein Dirani ebenfalls. „In den letzten Wochen haben sich leider einige mit Verletzungen vom Spieltag abmelden müssen. Da ist es sehr hilfreich, dass uns Mario Popp als Trainer der Zweiten unterstützt und Spieler ausleiht.“ Zum Beispiel Robert Schwering, den Omar als „ganz coolen Typen“ schätzt.

"Hier sind ein paar Generationen am Ball"

Sakir Omar war noch ein kleiner Junge, als seine Eltern mitsamt der sieben Kinder 1996 als Kurden aus Nord-Syrien flohen. „Schon bevor der Krieg dort losging, haben wir unter Verboten und Repressalien gelitten. Da gab es für meine Eltern nur die Perspektive, ganz woanders ganz neu anzufangen.“ Die allermeisten sind in Appelhülsen sesshaft geworden und haben hier und in Nottuln selbst ihre Sozialisierung erlebt.

„Man sagt ja oft von dem Ort, an dem man gerade lebt, er sei der beste überhaupt. Für uns trifft das aber wirklich zu. Wir fühlen uns hier zu Hause.“ Das gelte auch für Mitspieler und Freunde aus dem Libanon, Afghanistan oder Eritrea, die längst eingebürgert sind. 2015 kamen dann noch einmal drei nach Deutschland geflüchtete Männer dazu. „Hier sind wirklich ein paar Generationen am Ball. Die Altersunterschiede werden aber nie als problematisch empfunden.“

Nur die Fitness wie einst können die Ü-30-Spieler bei einem Trainingsabend pro Woche nicht immer mehr bieten. Sakir Omar war „früher mal ein richtiger Torjäger, aber diese Zeiten sind auch längst vorbei.“ Jetzt sorgt er als Defensivkraft für Ruhe und sicheres Spiel von hinten heraus. „Wir haben ein paar spielerisch richtig gute Kicker“, beschreibt er nach sieben Saisonpartien und zwölf gewonnen Punkten. Die Bilanz ist gut – aber viel, viel wichtiger ist und bleibt die Gemeinschaft.

Startseite