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Basketball: 2. Bundesliga Pro A

„War schon cool“: Harding überzeugt bei Wahnsinnspiel der Baskets in Bochum

Bochum

20 Punkte zur Pause vorne, kurz vor Schluss sechs Zähler zurück – um dann nach Verlängerung in Bochum zu gewinnen. Es war ein irres Spiel, das die WWU Baskets Münster da geboten hatten. Connor Harding blieb dabei nicht nur auf dem Feld ganz cool.

Von Henner Henning

Topscorer Connor Harding überzeugt beim Baskets-Sieg in Bochum. Foto: Jürgen Peperhowe

Total entspannt schlenderte Connor Harding an der Mittellinie entlang, aß genüsslich einen Apfel. Dem Amerikaner war bei der ersten Auffrischung seines Energiespeichers nicht anzumerken, dass er zuvor mit den WWU Baskets Münster 45 aufreibende, atemberaubende und mit Wendungen gespickte Minuten hinter sich hatte. Und dass diese auch noch erfolgreich waren und der Aufsteiger das Derby bei den VfL SparkassenStars Bochum nach Verlängerung mit 83:82 (72:72, 44:24) gewann, lag auch an Harding.

„Das war schon cool“, sagte Münsters Topscorer, der in der Rundsporthalle am Ruhrstadion auf 24 Punkte kam und besonders in den wichtigen Momenten zur Stelle war. Wie etwa bei seinem Dreier zum 70:72 kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit oder mit seinen beiden erfolgreichen Distanzwürfen zum 80:78 in der Verlängerung. Auch ein Verdienst seines Teamkollegen Cosmo Grühn. „Am Anfang habe ich ein paar Würfe nicht getroffen, aber Cosmo sagte mir, ich solle weiter werfen“, erklärte Harding. Gesagt, getan. „Connor ist einer unser besten Werfer, wenn nicht der beste. Wenn er weiter mit Selbstbewusstsein wirft, fallen die irgendwann. Das haben wir dann ja gesehen“, sagte Grühn, der mit nur drei Zählern nicht das glücklichste Händchen hatte, mit zwölf Rebounds aber wichtige Arbeit unter den Körben verrichtete.

Bochum setzte zu furioser Aufholjagd an

Das war auch nötig, um bei dem NRW-Dauerrivalen, der in der Saison 2020/21 vier von fünf Begegnungen gegen die Baskets gewonnen und in die 2. Bundesliga Pro A vorgegangen war, zu bestehen. Denn trotz der ganz starken ersten Halbzeit, in der Center Andreas Seiferth auf zwölf seiner 21 Punkte kam, setzte der VfL nach dem 20 Zähler großen Rückstand zu einer furiosen Aufholjagd an. „In der ersten Halbzeit haben wir ganz toll gespielt. Diszipliniert, defensiv sehr gut und offensiv sehr geordnet“, sagte Coach Björn Harmsen, der sein Team aber auf den wütenden Beginn der Gastgeber einstellte. „Uns war klar, dass Bochum schnell spielen will, um irgendwie noch zurückzukommen. Das war ihre einzige Chance.“

Und diese nutzte der VfL, drehte mit vier Dreiern zu Beginn der zweiten Halbzeit auf und brachte die Baskets so in Bedrängnis. Hektik kam auf, Ballverluste häuften sich und auch das zuvor klar für die Gäste sprechende Rebound-Verhältnis glich sich an. Alles auch eine Folge der Bochumer Umstellung auf eine 1-3-1-Zone, mit der sie Münster zusetzten. „Wir wussten, dass sie es so spielen würden, haben dann aber die Geduld und Ruhe verloren, zu viele Fehler gemacht“, sagte Harmsen. „Da haben wir noch ein paar Ansatzpunkte, an denen wir arbeiten können.“

Münster krabbelte heraus aus dem Loch

Doch anders als zum Auftakt bei Phoenix Hagen – an Spieltag eins unterlag der Zweitliga-Neuling nach Verlängerung 81:88 – krabbelte Münster wieder heraus aus seinem Loch, hielt nach dem dritten Viertel (17:31) und in der entscheidenden Phase dagegen, fand wieder Lösungen. Durch Harding und auch durch Seiferth, der wieder zum Dreh- und Angelpunkt unter dem Korb wurde und mit seinen verwandelten Freiwürfen für die Verlängerung sorgte.

„Wie man die spielt, wussten wir ja. Wir wollten nicht noch eine Overtime verlieren“, sagte Adam Touray, der mit seinen Teamkollegen aber zu Beginn der Zusatzschicht ein zweites Mal auf die Verliererstraße zu geraten schien. Der furios aufspielende Amerikaner Conley Garrison (25 Punkte) brachte Bochum mit einem Dreier und einem Dunking zum 77:74, Münster war gefordert – und lieferte durch Harding, den Darien Jackson – Münsters US-Guard hatte in der Schlusssekunde der regulären Spielzeit den Siegtreffer in der Hand – mit drei Zählern unterstützte.

Als der Notversuch von VfL-Spielmacher Niklas Geske das Ziel klar verfehlt hatte, brachen alle Dämme. Die 150 Baskets-Fans unter den 926 Zuschauern feierten ihr Team frenetisch. Nachdem die „Münster, Münster“-Rufe verhallt und die La Ola abgeebbt waren und Ruhe in der Rundsporthalle eingekehrt war, hatte Harding Muße, um seinen Apfel zu essen.

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