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Leichtathletik: 100-Kilometer-Lauf

Nach 85 Kilometern stockte der Dieselmotor bei David Schönherr

Münster

David Schönherr von LSF Münster hat sich am vergangenen Samstag im niederländischen Winschoten auf einen 100-Kilometer-Lauf begeben - und brach nach 85 Kilometern ein. Eine erschreckende Erfahrung für den 32-Jährigen. 

Von Alexander Heflik

Gib mir die Faust: Kirsten Althoff und David Schönherr treffen sich auf der Strecke in Winschoten. Foto: Jonas Jansson

Für David Schönherr war es eine Achterbahnfahrt, dieses zweite September-Wochenende – Euphorie und Niedergeschlagenheit standen in direkter Konkurrenz, aber auch eine, eigentlich zwei verpasste Chancen standen einem besonderen emotionaler Moment gegenüber. Ganz schön viel für einen Läufer, selbst wenn der 100 Kilometer am Stück rennen will – und das eigentlich auch kann. „Ich werde das oft gefragt, warum ich das mache. Für mich ist das ein kleines Abenteuer. Man läuft in einer Gruppe, lernt Leute kennen, bekommt Tipps, das ist total interessant.“

Einbruch nach 85 Kilometern

Aber 100 Kilometer? Am Samstag war der 32 Jahre alte Athlet von LSF Münster im niederländischen Winschoten aktiv. Auf dem zehn Kilometer langen Rundkurs wollte Schönherr die Norm für die WM 2022 in Deutschland knacken, die B-Norm lag bei 7:15-Stunden, unter sieben Stunden wäre das WM-Ticket sicher gewesen. Schönherrs Renn-Film war ungefähr so: Die ersten 30 Kilometer lief er konservativ an. „Dann wollte ich ein Ausrufezeichen setzen“, sagte er. Bis Kilometer 80 war er „total euphorisch“. Auf den nächsten drei, vier Kilometern aber brach er ein.

"Eine schlimme Erfahrung"

Warum? So richtig beantworten kann er die Frage nicht, der Kreislauf sackte ab, kalter Schweiss brach aus, plötzlich ging er nur noch in Schlangenlinien – und gab auf Anraten der medizinischen Betreuung auf. „Mir geht es immer gut beim Laufen. Das war eine schlimme Erfahrung“, erklärte er kopfschüttelnd auf dieses Erlebnis zurück. Vermutlich war es ein so genannter Hungerast, vielleicht hatte er lediglich das Tempo  überzogen. 14 Wochen intensive Vorbereitung lagen hinter ihm, gut und gerne war er 2000 Kilometer gelaufen, die Generalprobe mit der Umrundung des Müritzsees über 75 Kilometer war erfolgreich. In Winschoten riss der Faden 15 Kilometer vor dem Ziel. „Ich hätte das vielleicht noch zu Ende bringen können“, so Schönherr, sein Tempo hätte er auf Otto-Normal-Marathoni herunterschrauben müssen, vielleicht auf gerade noch sechs Minuten für 1000 Meter. Aber der LSF-Athlet, dessen Mutter Birgit Schönherr-Hölscher 2006 Europameisterin über die Ultradistanz geworden war, ließ die Vernunft walten.

Ultralauf noch nicht vom Tisch

Schönherr entspricht nicht dem Typus des ausgehungerten modernen Langstreckenläufers. Schönherr ist kein Leichtgewicht, seine Muskulatur bewahrt ihn offenbar vor Verletzungen. Mit seinen 32 Jahre ist er noch ein „junger Kerl“ im Langstreckenlauf. Und er hat erkannt: „Je länger eine Strecke wird, umso besser wird mein Dieselmotor.“ Sagt er und lacht. Denn: „Auch in Winschoten tat mir nach 80 Kilometern nichts weh.“ Was nicht mehr oder weniger bedeutet, dass das Thema Ultralauf noch lange nicht vom Tisch ist. Ob er schon im Frühjahr erneut eine 14-wöchige Vorbereitung durchzieht oder vielleicht doch auf die kürzere Marathondistanz zurückkehrt – das lässt er offen. Unter 2:20-Stunden die 42,195 Kilometer zu laufen, wäre auch ein lohnenswertes Ziel. „Abschreiben will ich die Ultra-WM noch nicht“, sagte er.

Emotionaler Moment am Prinzipalmarkt

Was für einen Marathon spricht? Seine Frau Johanna Rellensmann lief in Münster nicht nur auf Rang drei, sondern in 2:44 Stunden ein Topzeit. Es sei emotional gewesen, nicht einmal 24 Stunden nach dem Aus von Winschoten sie am Prinzipalmarkt auf dem Podium zu sehen. Vielleicht hätte es für einen Schönherr in Marathon-Topform auch dazu gereicht, einen Platz auf dem Siegerpodest, die 2:25-Stunden des Drittplatzierten Elias Sansar ist er auch schon mal gelaufen. Der Sieg in Winschoten ging im Übrigen an den Italiener Marco Menegardi, der nach 6:37,09 Stunden das Ziel erreichte. Schnellste Frau war Francesca Bravi, die nach 7:43,25 Stunden das Ziel erreichte und damit in der Gesamtwertung auf Rang zehn geführt wurde

Kirsten Althoff ist auf WM-Kurs

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