Fußball-Serie: Zehn Jahre nach dem Preußen-Aufstieg

Als an Training nicht zu denken war – Marc Lorenz erinnert sich an Partywochen

Münster

Die Partys nahmen einfach kein Ende. Als Preußen Münster vor zehn Jahren in die 3. Liga aufstieg, folgten unvergessliche Wochen für die Protagonisten. Marc Lorenz, ein echtes Kind der Stadt, erinnert sich an die Feierlichkeiten. Außerdem spricht er über sein Verhältnis zu Marc Fascher.

Thomas Rellmann

Marc Lorenz (2.v.l.), der hier mit Julian Loose und Stefan Kühne (r.) Meistertrainer Marc Fascher hochheben lässt, war einer der Anführer beim Party-Marathon der Preußen im Mai 2011. Foto: Jürgen Peperhowe

Am 11. Mai 2019 erlebte Marc Lorenz ein Deja-vu. Gerade war er am 37. Spieltag mit dem Karlsruher SC vorzeitig in die 2. Liga aufgestiegen. Ort des Geschehens: das Preußenstadion. „Da hatte ich natürlich sofort wieder die Bilder vor Augen“, sagt der gebürtige Münsteraner und meint natürlich das Meisterspiel gegen Gladbach, das ziemlich genau acht Jahre vorher an selber Stelle stattfand.

Zu den Leistungsträgern zählte er damals mit 20 Jahren noch nicht. Das Potenzial des 2009 aus der Schalker Knappenschmiede zurückgekehrten Linksfußes deutete sich immerhin an. „Marc ist ein ganz feiner Mensch. Ich war sogar auf seiner Hochzeit eingeladen, dabei war er immer nur die Nummer 12 oder 13“, sagt sein einstiger Trainer Marc Fascher. Der „Fischkopp“ war es, der Lorenz riet, die Komfortzone vor der Haustür zu verlassen. Über Lotte, Bielefeld und Wiesbaden arbeitete er sich bis ins Unterhaus. Von den Helden von 2011 schaffte es keiner mehr höher. „Der Rat und dann auch wegzugehen, war das Beste, was mir passieren konnte.“

„Der inzwischen 32-Jährige erzählt: Szenen wie damals bleiben natürlich hängen. Und das alles dazu noch in meiner Stadt.“ So häufig sich der Blondschopf im Laufe der Saison auch mit der Jokerrolle begnügen musste, so sehr tat er sich in den Wochen rund um den Aufstieg als Partybiest hervor. „Was da erst mal im Stadion abging, war unfassbar. Das Feld war komplett gefüllt, danach ging es noch in der Loge weiter. Irgendwann sind wir relativ schnell in den Keller aufgebrochen.“

Gemeint war der „Le Club“ nahe der Lambertikirche, gelegen im Souterrain. „Einige haben durchgefeiert bis zum nächsten Morgen. Ehe es nach Hause ging, sind viele noch auf dem Markt gestrandet und haben sich einen Fisch geholt“, lacht Lorenz. Fast selbstverständlich, dass auch der Coach dabei war.

Meisterehrungen und Autokorso

Die Tage danach standen im Zeichen von weiteren Feierlichkeiten. „Wir haben uns abends noch oft in der Gorilla Bar getroffen“, erinnert sich der Mittelfeldspieler. An Training war bis zur Wochenmitte eh nicht zu denken. Es folgten die offizielle Meisterehrung, eine Fete mit den Fans im Jovel, der Autokorso vom Stadion zum Rathaus („Das Stück von der Aegidiistraße bis zum Prinzipalmarkt war der Wahnsinn“), der Eintrag ins Goldene Buch, die Abschlussfeier im Uferlos. Und mittendrin: ein Kurztrip nach Mallorca.

„Ganz unüblich ist das nicht. Mit Bielefeld und Karlsruhe sind wir auch vor dem letzten Spiel geflogen“, sagt Lorenz. „So konnten wir anschließend direkt alle unseren richtigen Urlaub genießen. Das war schon besser, als unsere Frauen noch mal eine ganze Woche warten zu lassen.“

Marc Fascher

Die Erinnerungen an die vielen Sequenzen dieser Tage sind bei Lorenz kaum verblasst. „Ich weiß noch, dass Marc Fascher vor der Partie gegen Gladbach Geldscheine unter sein Jackett geklebt hatte. Dann hat er es geöffnet und gerufen: Holt euch die Prämie!“ Es funktionierte nach Plan. Im Jovel gehörte die Bühne vor allem den Publikumslieblingen Babacar N’Diaye und Daniel Chitsulo, Dominique Ndjeng bewies als Taktgeber seine musikalischen Fähigkeiten.

„Wir waren eine coole Truppe, haben außerhalb des Platzes viel zusammen gemacht und den Aufstieg bis ins Letzte zelebriert. Malle war unfassbar ausgelassen. Aber irgendwann war auch bei uns der Stecker gezogen, der Körper fuhr dann einfach runter. Alle haben sich plötzlich nach Urlaub gesehnt.“

Dass die Mannschaft so nicht mehr zusammenkam, liegt in der Natur der Sache im Profigeschäft. „Das Schöne ist aber, dass man im Fußball immer mal wieder Leute trifft. Entweder noch als Spieler oder in anderer Funktion“, so Lorenz.

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