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Fußball: Regionalliga West

Zusammenstöße überlagern Preußen-Pflichtsieg beim KFC Uerdingen

Velbert

Vollkommen glanzlos hat Preußen Münster sich drei Punkte beim KFC Uerdingen gesichert. Dass sich niemand so recht über das 1:0 (1:0) gegen das Schlusslicht freute, lag weniger an einer mittelmäßigen Leistung, sondern an den Zusammenstößen zwischen SCP-Anhängern und der Polizei.

Von Thomas Rellmann

Kurz vor der Halbzeitpause brannte Pyrotechnik unter den Ultras im Preußen-Block. Foto: Jürgen Peperhowe

Preußen Münster hat mit einer gerade nach dem Seitenwechsel eher zähen Darbietung die Pflichtaufgabe erfüllt und beim KFC Uerdingen mit 1:0 (1:0) gewonnen. Soweit die nackten Zahlen. Überschattet wurde die Partie von heftigen Vorfällen im prall gefüllten Gästeblock. Schon beim Einlass gab es ein paar Tumulte zwischen aktiver Fanszene und Ordnern. Kurz vor der Pause brannte dann Pyrotechnik unter den Ultras. In der Halbzeit eskalierte die Situation nach Berichten Unbeteiligter nach einem Streit an einer Imbissbude.

Die eine Seite warf tatsächlich ein Bengalo auf die Beamten und auf das Feld, die andere arbeitete mit Pfefferspray. Mehrmals flammten Leuchtfeuer auf unter den Fans. Der Wiederanpfiff wurde erheblich verzögert, weil die Einsatzkräfte auf dem Rasen den Bereich sichern mussten, sogar ein Abbruch stand zur Diskussion. SCP-Sportchef Peter Niemeyer und andere Funktionäre begaben sich zu den Zuschauern und redeten auf sie ein, um den „Worst Case“, eine Wertung gegen den Aufstiegsanwärter, zu vermeiden. Videoaufnahmen dürften scharfe Konsequenzen zur Folge haben. Unbeteiligte Augenzeugen berichteten von einigen Verletzten unter den Zuschauern. Zumindest blieb es im zweiten Durchgang friedlich, hinterher brannte aber noch ein Mülleimer.

„Das wird wieder ein Zahltag. Das tut uns richtig weh“, sagte Geschäftsführer Bernhard Niewöhner. Die Clubverantwortlichen mussten sich erst mal sammeln, Erkenntnisse einholen, Gespräche führen, ehe sie sich offiziell äußern wollen.

Geschäftsführer Bernhard Niewöhner

Kapitän Julian Schauerte sagte nach dem Schlusspfiff: „Je länger es 1:0 stand, desto mehr hat der Gegner dran geglaubt. Es kann ja immer was passieren, gerade wenn man von außen gepusht wird. Aber wir haben gut dagegengehalten.“ Das was neben dem Feld passierte, habe aber keine Rolle gespielt. Marcel Hoffmeier meinte: „Es stört natürlich schon, wenn sowas vorkommt. Aber wir müssen eigentlich professionell genug sein, dass es nicht so ist. Wir haben dann nicht mehr so die Aktionen nach vorne hinbekommen.“

Trainer Sascha Hildmann machte es mit seiner Analyse schnell: „Wir hatten vor der Pause eine sehr gute Anlage, haben früh das Tor gemacht, was uns eigentlich in die Karten spielen sollte. Wir hatten danach einige Chancen, die zweite Halbzeit war aber zerfahren, Uerdingen wurde besser.“ Mit dem fünften Sieg am Stück war er natürlich glücklich. „Und ich hoffe, dass jetzt außen alles ruhig bleibt.“

Der Tabellenzweite begann mit einer Änderung. Jannik Borgmann rückte für den zuletzt etwas erkälteten Marvin Thiel links in die Viererkette. Eine Minute war rum, als sich Marcel Hoffmeier die erste Chance bot, etwas mehr als 120 Sekunden waren es, als der SCP in Führung ging. Thorben Deters setzte sich links durch, flankte direkt und fand im Zentrum Gerrit Wegkamp, der hochstieg und die Kugel ins lange Eck köpfte (3.). Henok Teklab hätte gleich das zweite Tor folgen lassen müssen, als er nach einem Fehlpass von Justin Neiß allein aufs Tor zusteuerte, aber nur den Außenpfosten traf (8.). Auch Borgmann und Deters scheiterten knapp (9.).

Vier Fünftel Ballbesitz in Halbzeit eins

Münster begann konzentriert, demonstrierte die Überlegenheit früh und ließ wenig Zweifel aufkommen. Vielleicht war der potenzielle Leistungsunterschied aber auch schon wieder zu eindeutig. Die Partie verflachte nach den ersten vier, fünf Strafraumszenen. Klar, nach hinten brannte nichts an, aber ansonsten plätscherte das Geschehen etwas vor sich hin, ehe Teklab mal wieder einen Torschuss abgab (29.). Borgmann köpfte nach einer Ecke drüber (31.), ein Deters-Seitfallzieher sah schön aus (32.), aber so richtig ernst wurde es für das Schlusslicht in dieser Phase nicht. Deters blieb ein Unruheherd, eine Flanke von Manuel Farrona Pulido bugsierte er an die Latte (38.). Ein paar Abschlüsse außerhalb des Strafraums waren auch noch zu verzeichnen, der beste von Robin Ziegele (45.+1). Insgesamt völlig okay, vier Fünftel Ballbesitz und null Chance für den KFC – aber glanzvoll war der Auftritt nun auch nicht.

Gerrit Wegkamp durfte bereits nach drei Minuten über das Tor des Tages jubeln. Foto: Jürgen Peperhowe

Nach der aufgrund der Fan-Zusammenstöße mit der Polizei um eine Viertelstunde verlängerten Halbzeitpause hatten die Hausherren sogar etwas Oberwasser. Die Geschehnisse auf den Rängen waren offensichtlich nicht spurlos an den Spielern aus Münster vorbeigezogen. Kann man ihnen das vorwerfen? Die Krefelder warteten zwar weiter auf ihre erste Torgelegenheit, die Adler aber verzettelten sich auch oft mit unbeholfenen Angriffsversuchen. Eklatant war aber, dass die Zweikämpfe nun vermehrt an den Außenseiter gingen.

Große Erleichterung nach dem Schlusspfiff

Erst der für Teklab eingewechselte Langlitz hatte nach Wegkamps Hereingabe wieder eine Möglichkeit, scheiterte aber an Keeper Jovan Jovic (65.). Julian Schauerte jagte den Abpraller in die Wolken. Doch Druck machte nun Uerdingen, Münster griff vermehrt zu Befreiungsschlägen. Nach den ersten Minuten, nach der ersten Hälfte hätte niemand gedacht, dass das noch mal so ein Zitterspiel wird. Konter, die für Entlastung oder die Entscheidung hätten sorgen können, blieben aus. Erst in der Schlussphase bekamen die Preußen das Geschehen wieder besser in den Griff. Der eingewechselte Joshua Holtby köpfte eine Schauerte-Flanke in die Arme von Jovic (82.). Als nach dreiminütiger Nachspielzeit der Abpfiff des guten Schiedsrichters Marco Goldmann ertönte, waren alle Münsteraner erleichtert. Zumindest Punktverluste beim Tabellenletzten hatte sie verhindert.

KFC: Jovic – Schlösser (85. Ntika), Kadiata, Jensen, Prodanovic – Augusto (74. Mallek), Baba, Neiß (46. Fladung)– Cirillo – Yeboah (46. Klossek), Terada

SCP: Schulze Niehues – Schauerte, Ziegele, Hoffmeier, Borgmann – Klann (89. Scherder) – Remberg, Deters (70. Holtby) – Farrona Pulido (57. Hemmerich), Wegkamp, Teklab (57. Langlitz)

Schiedsrichter: Marco Goldmann (Warendorf)

Tor: 0:1 Wegkamp (3.)

Zuschauer: 1323

Gelb: Baba / Borgmann

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