1. www.muensterschezeitung.de
  2. >
  3. Sport
  4. >
  5. Preussen-muenster
  6. >
  7. Bittere Achterbahnfahrt für Preußen-Debütant van Eijma in Oberhausen

  8. >

Fußball: Regionalliga West

Bittere Achterbahnfahrt für Preußen-Debütant van Eijma in Oberhausen

Oberhausen

Preußen Münster war beim 0:2 bei RW Oberhausen lange zumindest nicht das schlechtere Team. Dann traf Roshon van Eijma per Kopf nur die Latte und flog kurz darauf wegen einer Notbremse vom Platz. So nahmen die Dinge ihren Lauf. Mal wieder.

Alexander Heflik

Einschwören auf die beiden letzten Aufgaben des Jahres gegen Aachen und Schalke: Die Preußen nach dem 0:2 in Oberhausen. Foto: Jürgen Peperhowe

Innerhalb von drei Minuten änderte sich alles für Roshon van Eijma. Aus dem möglichen Traum-Debüt wurde die Albtraum-Premiere. Fast der Held des Augenblicks, dann der böse Bube des Moments. Fußball-Tragik pur. Als er nach 55 Minuten beinahe im Zeitlupentempo das Spielfeld des Niederrheinstadions verließ, müssen ihm Gedanken kreuz und quer durch den Kopf geschossen sein, er wirkte wie paralysiert. War das jetzt die Wirklichkeit der Regionalliga?

In der 52. Minute hatte er eine präzise getretene Ecke von Marcel Hoffmeier schulmäßig verarbeitet und fast das 1:0 für den SC Preußen geköpft. Nur beinahe. Denn der Ball klatschte an die Latte und ins Feld zurück. Keine drei Minuten später musste er einen schlampig gespielten Pass von Dominik Klann klären, dabei kam der Oberhausener Shaibou Oubeyapwa zu Fall. Notbremse, befand Referee Martin Tietze aus Roisdorf. Van Eijma sah den roten Karton – eine umstrittene Entscheidung.

Vier Wechsel

Gleich auf vier Positionen baute SCP-Trainer Sascha Hildmann seine Startelf um. Kurzfristig meldete sich Jules Schwadorf ab, der sich am Samstag im Training verletzt hatte. Da auch Joel Grodowski verletzt passen musste, rückten Nicolai Remberg und Ousman Touray in die Auflaufformation. Neu in der Mannschaft waren zudem Marcel Hoffmeier für GianlucaPrzondziono sowie Roshon van Eijma für Okan Erdogan. Letztgenannter dürfte vom Coach einen sportlichen Denkzettel verpasst bekommen haben, schließlich war der 22-Jährige zuletzt Stammkraft in der Abwehr gewesen, zum anderen sein Kontrakt unlängst bis 2023 verlängert worden. Erdogan stand aber in Oberhausen nicht einmal im Spieltags-Aufgebot der 18 Spieler. Nach van Eijmas Platzverweis dürften die Dienste von Erdogan aber zeitnah wieder sehr gefragt sein.

So nahm das Unheil seinen Lauf, eine Partie, von deren ganz anderem Ausgang Münsters Verteidiger Simon Scherder unter regulären Umständen – aus Sicht der Preußen – überzeugt gewesen war: „Spielen wir elf gegen elf zu Ende, dann gewinnen wir. Ganz sicher. Wir waren die klar bessere Mannschaft.“

Stattdessen taten die Akteure von RW Oberhausen genau das, was man aus solch einer Gemengelage im Idealfall zu machen pflegt: die richtigen Spieler einwechseln, an den passenden Schrauben drehen, wuchtig sein und so den 2:0-Heimsieg zur Realität werden lassen. Raphael Steinmetz besorgte nach 68 Minuten die Führung, er war gerade vier Minuten auf dem Feld. Beim 2:0 durch Tanju Öztürk soll vor dem entsprechenden Eckball zudem ein Handspiel der Oberhausener ungeahndet geblieben sein.

„Der Schiedsrichter entscheidet das Spiel“, moserte Scherder nach der Partie. Was ihm die komplette Zustimmung des Trainers Sascha Hildmann einbrachte, sowie: „Kein Vorwurf an die Mannschaft, jeder opfert sich. Roshon hat ein Superspiel gemacht, wie ein richtiger Verteidiger.“ Das klang nach Lob.

Trödeliger Start

Wobei, die Gäste waren selbst schuld: Der SCP hatte nach einer trödeligen Start-Viertelstunde seine dezente Überlegenheit nicht in Tore ummünzen können. Die handverlesenen Chancen, zum Beispiel von Nicolai Remberg oder Alexander Langlitz, blieben irgendwo liegen, der Ball jedenfalls nicht im Netz des RWO-Gehäuses. „Wie viele Chancen brauchen wir eigentlich noch“, fragte sich Hildmann. Noch vor dem Platzverweis hätte der SCP die Weichen auf Sieg stellen können. Aber auch diese rhetorische Frage legte den Finger in die Wunde, als Hildmann bestätigen musste: „Das ist dann auch eine Frage der Qualität.“

Diese Qualität geht den Preußen ab, ihnen fehlt Kaltschnäuzigkeit in der Offensive. Es ist ein entscheidender Grund, warum in dieser Hinrunde kaum gegen Topteams der Regionalliga gewonnen werden konnte, und warum aus den letzten vier sieglosen Begegnungen nur ein kümmerlicher Punktgewinn heraussprang.

Und Roshon van Eijma? Er wollte die ganze Schuld dieser Niederlage auf seine Schultern nehmen. Mehrere Monate hatte er nach seinem Wechsel von Roda Kerkrade zum SCP auf eine Chance warten müssen, und dann das. Er saß einige Hundert Meter entfernt im Oberhausener Nachwuchsleistungszentrum, wo sich die Preußen-Umkleide in diesen Corona-Zeiten befand, und wartete. Als er gebeutelt vom Feld trottete und das Stadion verlassen musste, stand es wenigstens noch 0:0. Dann kamen seine Mitspieler eine gute halbe Stunde später zurück mit der 0:2-Niederlage im Gepäck. Er wird im Heimspiel-Doppelpack gegen Aachen (Mittwoch) und Schalke II (Samstag) gesperrt sein. Bitterer kann ein Debüt nicht laufen.

Kein schöner Advent

Es ist bislang kein schöner Advent für die Preußen, sie hinken ihren Ansprüchen hinterher. Zu allem Überfluss ist da noch der Frust des Ro­shon van Eijma. Er hat seine persönliche Winter-Depression – sieben Tage bevor diese Jahreszeit erst beginnt.

Startseite
ANZEIGE