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Fußball: Regionalliga West

Chancenflut und Zitterspiel – Preußen schlagen auch Wiedenbrück

Münster

Vierter Sieg in Folge – was gibt’s da zu meckern? Im Grunde wenig. Durch das 2:0 (0:0) gegen den SC Wiedenbrück festigte Preußen Münster die Tabellenführung in der Regionalliga West. Nur das Nervenkostüm der gut 8000 Zuschauer litt zum Schluss etwas.

Von Thomas Rellmann

Alexander Hahn jubelt nach seinem Tor zum 1:0 gemeinsam mit Gerrit Wegkamp und Henok Teklab. Foto: Jürgen Peperhowe

Das Heimcomeback nach drei Wochen und zugleich der Abschied vom eigenen Publikum für zwei Monate brachten Preußen Münster den erhofften Sieg. Das 2:0 (0:0) gegen den SC Wiedenbrück war geteilt durch den Führungstreffer von Alexander Hahn. Vorher überrollte der Spitzenreiter den Gast geradezu und hatte eine Fülle an großen und kleinen Chancen. Danach allerdings sorgten sich viele im Rund, dass doch noch der Ausgleich fallen könnte. Nicht weil der schwache Gast ein Powerplay aufzog, sondern weil es ergebnistechnisch eng war und die Konter lange nicht saßen.

Coach Sascha Hildmann schnaufte kurz durch, hatte aber einen sehr guten Auftritt seiner Elf gesehen. „Wir hätten in der ersten Hälfte ein, zwei Tore schießen müssen, hatten ein gutes Positionsspiel, das uns immer wieder Chancen gebracht hat. Nach der Pause haben wir das Tor erzwungen, dann aber die Kontrolle verloren, weil der Gegner mutiger wurden. Wir hatten zwei, drei Umschaltmomente, die wir nicht genutzt haben. Dadurch wurde es spannend.“ Torschütze Hahn sagte hinterher: „Ich weiß nicht, wann wir uns in der ersten Hälfte so unglaublich viele Chancen herausgespielt haben. Das war wirklich ein sehr guter Start.“ Dass er als Verteidiger den Knoten löste, wollte der 29-Jährige nicht überbewerten. „Vielleicht war das Zufall, das gehört zum Fußball. Aber für Standardtore sind wir eben auch mal da.“

Alexander Hahn

Zwei Änderungen nahm Hildmann vor. Wie angekündigt, ersetzte Wattenscheid-Held Simon Scherder in der Innenverteidigung Niko Koulis (Rückenbeschwerden). Auf der Zehn bekam der freiwillig „ergraute“ Thorben Deters anstelle von Shaibou Oubeyapwa den Zuschlag. Lukas Frenkert nahm als defensive Alternative auf der Bank Platz, Kevin Schacht rutschte aus dem Kader.

Den ersten Akzent setzte Henok Teklab. Mutig hielt er aus 20 Metern drauf, die Kugel titschte auf die Latte. 80 Sekunden waren da erst rum. Deters hatte den nächsten Abschluss (5.), Gerrit Wegkamp einen weiteren (9.). In der gleichen Minute noch schickte Deters Wegkamp herrlich auf die Reise, der zog statt abzuschließen den Querpass auf Andrew Wooten vor – Oliver Zech blockte. Da war viel mehr drin. Wegkamp hatte noch einen Kopfball (11.), Nicolai Remberg versuchte es mit Wucht (12.), Marc Lorenz per Freistoß (16.). Die Dominanz war erdrückend. Spätestens nach einer Deters-Flanke hätte Wegkamp einnicken müssen (19.). Erst recht aber Wooten, der nach einem Scherder-Chipball die gesamte Wiedenbrücker Kette alt aussehen ließ, dann aber am Kasten vorbeischoss (20.).

Neun Abschlüsse in 20 Minuten

Neun gute Abschlüsse in 20 Minuten – das war rekordverdächtig. Doch noch stand die Null. Wegkamp machte gleich weiter, sein Schlenzer ging etwas deutlicher vorbei (21.), dann wurde Teklab am Ende eines guten Angriffs geblockt (23.). Bis auf die Effizienz war den Hausherren gar nichts vorzuwerfen. Pressingverhalten und Restverteidigung waren ebenfalls gut. Nur wollte einfach kein Treffer fallen.

Es hätte ja fast ins Bild gepasst, wenn Wiedenbrück mit dem ersten Versuch eines Torschusses gleich zum Treffer gekommen wäre. Doch Keeper Max Schulze Niehues war nach einer Ecke gegen Maik Amedick bravourös zur Stelle (29.).

Selten war die Überlegenheit der Preußen größer

Also ging’s auf der anderen Seite weiter. Wooten wurde nach einer tollen Lorenz-Flanke erneut geblockt (32.). Der Kapitän bereitete auch die nächste Top-Chance durch Wegkamp vor, diesmal krallte sich Keeper Marcel Hölscher den Ball (37.). Das letzte Wort vor der Pause hatte Teklab, der den Ball nach einem gelungenen Trick aber in die Wolken jagte (45.+1). Selten war die Überlegenheit der Preußen größer, aber gleichsam war Geduld gefragt. Der Plan der Ostwestfalen, die alle torgefährlichen Akteure auf der Bank gelassen hatten, war weder überraschend noch schwer zu durchschauen. Aber er ging irgendwie auf, ohne dass von einer wirklich disziplinierten Vorstellung oder klugen Nadelstichen die Rede sein konnte.

Das Bild änderte sich nach der Pause nicht. Eine Minute war rum, als Wooten nach einem Lorenz-Einwurf aus der Drehung am reaktionsschnellen Hölscher scheiterte. Doch dann fiel der Groschen direkt nach der abgewehrten Ecke. Ein Abwehrspieler musste anrücken! Lorenz flankte, und dann war Hahn mit dem Kopf zur Stelle – 1:0, überfällig (48.).

Wiedenbrück bringt den Ex-Preußen Zahn

Die Richtung blieb zunächst dieselbe. Münster forcierte weiter den Vorwärtsdrang. Deters verpasste den Kasten nur knapp per Kopf (54.) und verzog dann mit einem Schlenzer (58.). Aber der Gast gab seine Zurückhaltung nun ein wenig auf, auch mit der Einwechslung des Ex-Preußen Benedikt Zahn sollte mehr Bewegung reinkommen. Hildmann nahm die verwarnten Deters und Teklab runter, brachte Oubeyapwa und Dildar Atmaca, die beide durchaus Wirbel verursachten, aber noch nicht die gewünschten Abnehmer fanden, wenn es in den Strafraum ging.

Sondertrikot schnell vergriffen

Der Druck der Gastgeber war nach der Führung natürlich nicht mehr so gewaltig, auch wenn die Spielkontrolle erhalten blieb. Das Problem lag in der mageren Ein-Tor-Führung. So blieben die Wiedenbrücker im Spiel, auch wenn sie sich weiter eher dosiert nach vorn wagten. Erinnerungen an Kaan-Marienborn, als der Sieg gegen einen lange Zeit extrem destruktiven Gast noch abgegeben wurde, flammten auf. Das Zittern begann nicht nur aufgrund der Temperaturen.

Lukas Frenkert: Rückkehr mit Assist

Auf einmal drängte der Außenseiter den Spitzenreiter für einige Sequenzen ganz tief in den eigenen Strafraum. Emre Aydinel gab sogar einen echten Kracher aus der Distanz ab, doch Schulze Niehues bekam die Fäuste hoch (78.). Auch Zahn kam zumindest mal zum Kopfball (82.). Im Gegenzug wäre die Entscheidung fällig gewesen. Atmaca enteilte Tim Böhmer, der die Hereingabe noch abfälschte, Hölscher hatte auch seine Finger im Spiel, während Oubeyapwa den Ball auf der Torlinie verfehlte. Die Nachschüsse von Remberg und Alexander Langlitz fanden auch nicht ins Ziel (83.) – eine unfassbare Szene. Atmaca hatte noch eine weitere Gelegenheit (88.), als er das Außennetz traf. In der Schlussphase hielten die Preußen den Gegner klug in Schach und in dessen Hälfte.

Rückkehrer Lukas Frenkert

Lukas Frenkert durfte in der Nachspielzeit noch seine Rückkehr nach fast einem halben Jahr feiern. Und er griff sich tatsächlich noch einen Assist! Hölscher war für einen Freistoß nach vorn geeilt, vertändelte den Ball aber. Frenkert leitete auf Oubeyapwa weiter, und der Joker schoss nach einem kurzen Spurt aus 40 Metern das Leder ins leere Tor (90.+2). Danach: Schluss, Aus, Feierabend. Und alle Preußen waren happy. Allen voran Frenkert. „Mich freut es total, weil ich echt hart arbeiten musste, um so nah am Team zu sein.“ Niemand im Stadion, der ihm diesen Glücksmoment nicht gönnte.

SCP: Schulze Niehues – Scherder, Kok, Hahn – Teklab (61. Atmaca), Remberg, Grote, Lorenz – Deters (61. Oubeyapwa) – Wegkamp (90.+2 Frenkert), Wooten (75. Langlitz)

SCW: Hölscher – Böhmer, Zech (59. Zahn), Amedick – Geller (46. Kaptan) – Hüsing, Lohmar, Liehr, Brosowski (46. Kerkemeyer) – Aboagye (73. Aydinel), Karahan

Schiedsrichter: Leonidas Exuzidis (Herne)

Tore: 1:0 Hahn (48.), 2:0 Oubeyapwa (90.+2)

Zuschauer: 8056

Gelb: Teklab, Deters / Geller, Lohmar, Liehr

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