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Fußball: 3. Liga

Kobylanski veredelt Montagsgala der Preußen

Münster

Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt wurde den Fans des SC Preußen Münster am Montagabend richtig warm ums Herz. Mit 3:0 fegte der SCP Schlusslicht Eintracht Braunschweig von der Hammer Straße. Martin Kobylanski überragte als dreifacher Torschütze.

Thomas Rellmann

Der Mann des Abends war zweifellos Martin Kobylanski (l.) mit seinen drei Treffern. Lob von Moritz Heinrich kassierte aber auch Tobias Rühle (2.v.r.), der das 2:0 super vorlegte, das Philipp Müller (r.) eingeleitet hatte. Foto: Jürgen Peperhowe

Nee, nee. Diesen Auftritt konnte so gar nichts entwerten. Egal, dass das Schlusslicht zu Gast war. Egal, dass sich Eintracht Braunschweig genau wie ein solches präsentierte. Preußen Münster gab den Takt vor, der Tabellenzweite holte sich Platz zwei fast genüsslich zurück. Das 3:0 (2:0) drückte nicht annähernd die Kräfteverhältnisse aus. Alle Pläne und Ideen gingen auf. Da fiel kein Akteur nennenswert ab. Aber einer mehr denn je auf. Martin Kobylanski war für alle drei Tore verantwortlich. Zwei davon waren leichte Beute. Aber seine Laufwege waren perfekt, und auch sonst lief das Offensivspiel wie geschmiert. Im Flutlicht machten die Gastgeber deutlich: Mit ihnen ist länger zu rechnen in der Spitzengruppe.

SCP-Angreifertrio mit Größennachteil

„Durch die Bank eine sehr gute Leistung“, befand Trainer Marco Antwerpen. „Wir haben wieder nach einem schlechten Spiel eine Reaktion gezeigt, die Jungs sind unsagbar stressresistent. Die Basics waren wieder da. Gegen Halle wollen wir jetzt das Stadion voll bekommen.“ Taktisch kramte er eine längere Zeit nicht mehr praktizierte Formation raus. Ein 3-4-3, in dem René Klingenburg neben dem eminent passsicheren Kevin Rodrigues Pires den etwas offensiveren Part im Zentrum ausübte und das quirlige Angreifertrio mit Philipp Müller, Tobias Rühle und Kobylanski beim Anlaufen unterstützte. Die drei beweglichen Stürmer hatten zwar klare Größennachteile, sollten die Gäste-Abwehr aber am Boden beschäftigen, was super gelang. „Philipp kann solche Konstellationen gut lösen, deshalb haben wir ihn reingenommen. Wir bringen ihn gerade dahin, dass er richtig fit wird“, so Antwerpen. Die Marschroute erwies sich jedenfalls goldrichtig gegen eher hüftsteife Verteidiger.

Kobylanski trifft zwei Mal in der ersten Hälfte 

Kobylanski schlug schließlich fast folgerichtig zu. Aus 17 Metern jagte er den Ball mit seiner Spitzentechnik ins Tor. Ideal serviert hatte Klingenburg, der nicht abschaltete, als alle anderen für eine Sekunde nach einem Handspiel von Fredrik Tinganger im Sechzehner unaufmerksam waren (19.). Nicht viel fehlte, und der Kapitän hätte sofort seinen zweiten Treffer folgen lassen. Eine abgefälschte Müller-Flanke fiel ihm praktisch auf die Stirn (23.). Da war er wohl überrascht, Kopfbälle müssen auch nicht zu seinem Stammrepertoire zählen. Na ja, Kobylanski wartete noch 180 Sekunden und holte Versäumtes mit dem Fuß nach. Müllers tolles Zuspiel trieb Rühle in den Strafraum. Anstatt frei stehend draufzuhalten, legte er mit Auge quer. Sein Kollege hatte nun wirklich keine Mühe mehr mit dem 2:0 (25.). Ein Distanzschuss hätte sogar fast das 3:0 bedeutet (31.). Die Braunschweiger standen mit Verlaub vollständig neben sich. Einzig, als Lion Schweers ziemlich unnötig den Ball verstolperte, bot sich Leon Bürger eine Schusschance, doch er traf nur Aluminium (44.). „Zum Ende der ersten Hälfte haben wir etwas nachgelassen. Mit dem Pfostenschuss haben wir gemerkt, dass wir wieder mehr tun müssen“, sagte Antwerpen. So kam es auch.

Mehr Risiko nach der Pause

Nach der Pause ging der Zweitliga-Absteiger etwas mehr Risiko, erst recht mit der Einwechslung von Torjäger Philipp Hofmann (sein Fast-Namensvetter auf der Gegenseite kam später), den die Münsteraner wie Onur Bulut in der Startelf erwartet hatten. Wenig deutete indes auf den Anschluss hin. Und mit Kobylanskis drittem Akt war die Sache schließlich auch hieb- und stichfest. Moritz Heinrich ging sehenswert ins Dribbling, zog von links mit rechts ab, Keeper Lukas Kruse ließ klatschen – und dann fand der Matchwinner zum zweiten Mal ein leeres Tor vor (64.). Ja, sogar ein vierter Kobylanski-Streich war drin, doch sein Lupfer allein vor Kruse misslang (73.). Geschenkt. Was für ein Abend für den nun siebenfachen Saison-Torschützen! „Mein erster Hattrick“, sagte er. „Platz zwei ist schon stark.“ Aktuell gehört der SCP genau dort hin.

René Klingenburg unzufrieden

Wieder mal war René Klingenburg der Boss im Mittelfeld, das 1:0 leitete er hellwach ein. Seine Eigenanalyse aber überrascht.

Wäre es unfair, zunächst über den schwachen Gegner zu reden anstatt über eine gute Preußen-Elf?

Klingenburg: Es kam beides zusammen. Der Gegner musste zwingend punkten. Die Aufstellung hat uns ein wenig überrascht. Aber wir wollten auch ein anderes Gesicht als in Großaspach zeigen, die Fans mitnehmen. Das hat gut geklappt.

Ihre Mannschaft hat taktisch etwas verändert gespielt. Ein Schlüssel?

Klingenburg: Auch. So viele Chancen hatten wir nicht, aber Braunschweig war auch verunsichert.

War es wieder ein Spiel wie für Sie gemacht?

Klingenburg: Ein paar Zweikämpfe habe ich gewonnen. Aber vor der Pause war ich gar nicht zufrieden. Zu viele Ballverluste.

SCP: Schulze Niehues – Schweers, Kittner, Borgmann – Menig, Klingenburg, Rodrigues Pires, Heinrich – Müller (86. Braun), Rühle (69. Dadashov), Kobylanski (76. Hoffmann)

Eintracht: Kruse – Becker, Tingager (30. Amunden), Valsvik, Nkansah – Fürstner, Kijewski – Putaro, Bürger, Canbaz (58. Hofmann) – Nyman (71. Thorsen)

Schiedsrichter: Tobias Schultes (Betzigau)

Tore: 1:0 Kobylanski (19.), 2:0 Kobylanski (25.), 3:0 Kobylanski (64.)

Zuschauer: 8626

Gelb: Kittner / Tingager, Becker

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