Fußball: Regionalliga West

Preußen bestehen Modellversuch gegen Fortuna Köln mit Bravour 

Münster

Der DFB-Pokal ist gebucht, Platz drei fast gesichert, die Serie nun auf 17 Spiele ohne Niederlage ausgebaut. Beim 3:1 gegen Fortuna Köln passte einfach alles für Preußen Münster. Zwei Doppeltorschützen standen dabei im Zentrum des Interesses.

Ansgar Griebel

Der Mann des Tages in der Mannschaft der Stunde: Doppeltorschütze Jannik Borgmann (2. v. l.) lässt sich von den Teamkameraden des SC Preußen feiern Foto: Jürgen Peperhowe

Es ist nicht überliefert, ob und wann sich Trainer und Kapitän vor dem Spiel der Preußen am Samstagnachmittag im kleinsten Kreis zur Besprechung zusammengesetzt hatten, um das geheime Modellprojekt zu thematisieren und zu planen. Wenn, dann dürfte das ungefähr so geklungen haben: „Hör mal, Julian, das lief zuletzt ja sehr ordentlich bei uns. 16 Spiele ohne Niederlage, die Spiele fast immer souverän nach Hause gebracht,“ so Trainer Sascha Hildmann, „mich würde brennend interessieren, wie die Mannschaft mit einem frühen Rückstand gegen einen starken Gegner klarkommt.“ Kapitän Julian Schauerte dürfte danach kurz überlegt haben, dann gesagt haben: „Okay, Trainer. Ich überlege mir was.“

Zugegeben, bis hierhin sind wir im Bereich der derzeit so angesagten Verschwörungstheorien, verbürgt ist aber die folgende Umsetzung der Geheimmission: 79 Sekunden nach Anpfiff der Partie gegen Fortuna Köln drückte Schauerte das Leder vorbei am verdutzten, also offensichtlich nicht eingeweihten Torwart Marko Dedovic zum 0:1 ins eigene Tor. „Ja, da war ich wohl dran, total überflüssig“, gab Schauerte im Anschluss zu Protokoll und hielt sich damit an die verordnete Schweigepflicht. Coach Hildmann indes war zufrieden mit der geglückten Versuchsaufstellung: „Was passiert jetzt, was geht jetzt in der Mannschaft vor?“, raunte er Co-Trainer Louis Cordes zu. „Jetzt freue ich mich so richtig aufs Spiel. Was machen Sie jetzt?“ Die Antwort fiel zur vollen Zufriedenheit nicht nur des Trainergespanns aus: „Die Reaktion war richtig gut. So eine hohe Mentalität, so viel Zweikampfhärte, so viele gute Aktionen haben wir drin gehabt. Das war schon richtig beeindruckend.“

DFB-Pokal endgültig gebucht

Manchmal verirren sich Delfine ins Thunfischnetz – und manchmal steckt in einem Ligasieg als Beifang auch ein Ticket zum DFB-Pokal. Am Samstag feierten die Preußen nicht nur den überzeugenden Dreier gegen Verfolger Fortuna Köln, sondern beseitigten nebenbei die letzten theoretischen Zweifel daran, diese Regionalliga-Spielzeit als bestes Team aus Westfalen zu beschließen und damit in die Lostrommel für die 1. Hauptrunde des nationalen Pokals zu wandern. Endlich mal wieder. „Das freut mich total“, sagt Trainer Sascha Hildmann, „für die Mannschaft und für die Fans, die dann hoffentlich wieder dabei sein können.“ Schon am Samstag war der Preußen-Coach in Gedanken bei den Anhängern, die erneut außen vor blieben. „Es wäre schon spannend gewesen, zu sehen, was hier abgegangen wäre. Ich glaube, dieses Spiel hätte unseren Fans sehr gefallen.“

Bereits zur Halbzeit hatten die Preußen die Partie nach Treffern von Schauerte (19.), diesmal ins richtige Tor, und Jannik Borgmann (41.) gedreht, im zweiten Durchgang schnürte Innenverteidiger Borgmann dann den Doppelpack und legte zum 3:1-Endstand nach. Ende gut, alles gut? „Ja“, sagte der Trainer, eigentlich der größte Kritiker seines Teams und immer auf der Suche nach dem Optimum. „Nach dem 4:0 am Mittwoch gegen Lippstadt, war ich nicht zufrieden, diesmal schon. Klar kann man auch wieder das Haar in der Suppe suchen. Vielleicht in den ersten fünf Minuten. Aber nein, das war eine tolle Vorstellung der ganzen Mannschaft.“ Zumal ja in den ersten fünf Minuten auch noch der Versuchsaufbau abgeschlossen werden musste ...

Drei Fragen an Jannik Borgmann

Die Preußen haben bislang 59 Saisontore geschossen – und dafür bis zum Samstag 16 Torschützen bemüht. Gegen Köln stieß die laufende Nummer 17 dazu. Ein Mann, den in dieser Funktion sicher niemand erwartet hätte: Innenverteidiger Jannik Borgmann.

Danach lief es aber kugelrund für die Preußen und ihre zwei Doppeltorschützen. „Ich habe beide Bälle nicht richtig getroffen“, gab Schauerte im Nachgang zwar zu, dass beide Treffer, der erste auf Zuspiel von Kölns Tim Owusu, der zweite nach Assist von Joel Grodowski, in der Ausführung noch Schwächen offenbarten – nichtsdestotrotz degradierten sie beide Keeper zu schuld- und machtlosen Nebendarstellern.

Dedovic bleibt im Kasten

Preußen-Keeper Marko Dedovic musste nach nicht einmal zwei Minuten bei seinem dritten Startelfeinsatz erstmals hinter sich greifen – wartet aber nach wir vor auf den ersten Gegentreffer eines gegnerischen Spielers. Am Samstag war es der eigene Kapitän Julian Schauerte, der die Nummer eins überlistete. Dedovic wird am Mittwoch bei der Reserve von Fortuna Düsseldorf erneut im Kasten stehen. Die Verletzung von Stamm-Keeper Max Schulze Niehues braucht mehr Zeit als erhofft, wie Trainer Hildmann berichtete: „Es scheint doch etwas schwerer zu sein. Wir warten noch auf die genaue Diagnose. Marko steht Mittwoch im Tor – und hält den Kasten sauber.“

Die anschließende Borgmann-Show war zweifellos nicht im Hinterzimmer abgesprochen worden, das hätte sich wirklich niemand ausdenken können – und kam so für alle Beteiligten etwas überraschend, Borgmann eingeschlossen. Zuletzt hatte der von schweren Verletzungen gebeutelte 23-Jährige im Jahr 2018, damals noch in Liga drei, getroffen. Am Samstag schoss und köpfte er sich förmlich in Rage. Zwischen dem 2:1, perfekt aufgelegt von Gerrit Wegkamp, und dem 3:1 nach Eckball des eingewechselten Joshua Holtby, hatte Borgmann sogar noch einen weiteren Treffer auf dem Fuß, als Alexander Langlitz den Ball mit der Brust für seinen Kollegen ablegte, der dann aus elf Metern aber nur die Latte traf. Nicht schlimm, die Preußen-Verschwörung war dennoch ein voller Erfolg.

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