1. www.muensterschezeitung.de
  2. >
  3. Sport
  4. >
  5. Preussen-muenster
  6. >
  7. Preußen feiern Møller, aber auch Remberg und Holtby

  8. >

Fußball: Regionalliga West

Preußen feiern Møller, aber auch Remberg und Holtby

Münster

Nach Wochen des Schmerzes hat Preußen Münster mal wieder gewonnen. Nicht grandios gespielt, aber verdient die Misere beendet. William Møller, der Däne, wurde beim 1:0 gegen Alemannia Aachen zum Helden des Abends. Aber andere zeigten auch eine starke Vorstellung, und das sogar über die fast gesamte Spieldauer.

Thomas Rellmann

Torschütze William Møller (M.) lässt sich von Mittelfeldchef Joshua Holtby nach seinem Tor herzen. Benedikt Zahn (r.) schaut sich die Umarmung an. Foto: Jürgen Peperhowe

Schon seit seiner Ankunft in Münster umgibt William Møller etwas Geheimnisvolles. Vielleicht aufgrund seiner Vita, die zuletzt fast ein Jahr Fußball-Pause auswies. Vielleicht aufgrund seiner Herkunft, schließlich spielte ein Däne für den SC Preußen seit Heino Hansen in den 70er-Jahren nicht mehr. Möglicherweise aber auch wegen seines Namens. „Willi Möller“, das hört sich eingedeutscht eher nach einem Trainingskiebitz an, der seit Dekaden Fan der Adler ist und den jeder im Umfeld kennt.

Exoten gab es in der Vergangenheit immer wieder an der Hammer Straße. Møller aber hat im dritten Kurzeinsatz bewiesen, dass er ein gewinnbringender Einkauf sein kann. Sein Siegtor beim 1:0 (0:0) gegen Alemannia Aachen fünf Minuten vor Schluss hätte in normalen Zeiten vermutlich ein Beben auf den Rängen ausgelöst. Zumindest die Spielertraube nach dem Treffer kam einer Explosion der Gefühle nah. „Ein super Junge“, befand Niklas Heidemann über den Angreifer. „Für ihn ist es ja nicht einfach. Erstmals von zu Hause weg, in einem fremden Land, ein anderer Fußball.“ Der 22-Jährige selbst räumt, auf Englisch, ein, dass er „sicher nicht bei 100 Prozent“ ist. „Ich muss spielen.“ So einfach ist das. Fast ein Jahr war er vereinslos, zuvor hatte er beim FC Sydvest in der dritten und bei Esbjerg fB in der zweiten Liga in seiner Heimat gekickt. Ein bisschen Fantasie war schon notwendig, um in Møller eine Verstärkung für die Preußen zu sehen.

Schalker Trainer Zaungast

Torsten Fröhling ist ein Mann mit Fußballsachverstand. Am Mittwochabend entschied sich der Cheftrainer der Schalker Amateure gegen das Heimspiel der königsblauen Erstvertretung gegen den SC Freiburg und entschloss sich stattdessen für einen Trip nach Münster, um dort als exklusiver Live-Beobachter das Regionalliga-Spiel der Preußen gegen Alemannia Aachen in Augenschein zu nehmen. Fröhning blieb so die nächste Knappen-Schlappe im Fußball-Oberhaus erspart, stattdessen gab es wichtige Eindrücke vom Samstagsgegner. Respekt werden sich die Preußen mit dem 1:0-Erfolg verdient haben, Angst haben sie allerdings nicht verbreitet.

Sein Auftrag bei der Einwechslung war klar. „Vorne rein in die Box, das hat der Trainer deutlich gesagt.“ Sascha Hildmann lag also mit der Einwechslung nicht verkehrt. Schon vor seinem Tor hatte der Joker zwei Kopfballszenen. „Den ersten kann ich sicher besser platzieren, beim zweiten war das nicht möglich.“ Anlauf drei saß.

Erwähnt werden muss in dem Zusammenhang neben dem coolen Abschluss die großartige Vorarbeit. Heidemann gewann die Kugel, spielte Alexander Langlitz an, der mit der Hacke auf Nicolai Remberg weiterleitete, ehe der wiederum den Torschützen fand. Den direkten Vorlagengeber hob Hildmann noch mal hervor: „Er war überragend.“ Nimmermüde und laufstark, nur glücklos bei seinen eigenen Versuchen präsentierte sich Remberg. Der 20-Jährige war in den letzten Wochen etwas weniger auffällig, sein Potenzial stand aber nie grundsätzlich zur Debatte.

Holtby „direkt Chef“

Das gilt genauso für Jo­shua Holtby. Erstmals seit Oktober war er wieder in der Startelf und übernahm sogleich Verantwortung im Zentrum als Pendelspieler zwischen „Abräumer“ Okan Erdogan und der hängenden Spitze Remberg. „Ein ganz wichtiger Mann für uns“, sagte Hildmann. „Er war jetzt schon wieder Chef.“ Wenn es um Fouls mit Signalwirkung oder deutliche Worte Richtung Schiedsrichter Julian Engelmann ging, versteckte sich Holtby nicht. Nur in seiner Kerndisziplin, den Standards (immerhin gab’s neun Ecken), mangelte es noch an Genauigkeit. Dass dem 24-Jährigen am Ende die Körner ausgingen, war nach langer Verletzungspause verständlich. „Zum Schluss wurden die Aktionen etwas fehlerbehafteter, aber ich wollte Josh nicht zu früh runternehmen“, erklärte sein Coach. Nach einer späten Verwarnung, die es auch schon früher hätte geben können, war Feierabend.

So gewann der SCP erstmals seit dem 21. November wieder, was in einer weiter sehr krummen Tabelle sogar den Sprung auf Platz vier für den Moment ergab. Bedeutender als das Ranking war aber die Erkenntnis, dass die große Krise abgewendet ist und auch das Auftreten in vielerlei Hinsicht passte. Abwehrchef Simon Scherder hatte sogar „die beste Leistung der Saison“ gesehen. Ein bisschen Luft nach oben haben die Preußen aber schon noch.

Startseite
ANZEIGE