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Fußball: Diskussionsveranstaltung zur WM

Preußen-Präsident Strässer: „Boykott hätte 2010 kommen müssen“

Münster

Die WM in Katar steht vor der Tür und sorgt für große Diskussionen. In der „Kneisterei“ in Münster fand nun eine Diskussionsveranstaltung zum Turnier statt. Mit dabei: SCP-Präsident Christoph Strässer und Fußballhistoriker Dietrich Schulze-Marmeling.

Von Alexander Heflik

Preußen-Präsident Christoph Strässer. Foto: Alexander Heflik

Natürlich sind sich die Veranstalter darüber im Klaren, dass die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar nicht mehr abgesagt wird. Aber das Bewusstsein vieler Menschen scheint verändert, wenn es um die Winter-WM geht, die am 20. November beginnt. In den vergangenen Tagen und Wochen schießen Diskussionsveranstaltungen rund um das Turnier förmlich aus dem Boden. Der Protest wächst, der Protest hat auch eine Stimme.

Zum Beispiel die Arbeiter-Wohlfahrt in Münster in Kooperation mit der Christlichen Initiative Romero: Sie hatten zu einem Forum in die „Kneisterei“ geladen, rund 50 Menschen folgten. Dietrich Schulze-Marmeling, Mitinitiator von „Boycott Katar“ und Fußball-Historiker aus Altenberge, sprach von einer „harten und provokanten Forderung“. Die WM zu boykottieren sei auch der Aufruf, den Weltverband Fifa mit seinen durchtriebenen Vergabepraktiken zu stoppen. Schulze-Marmeling schlug den Bogen ins Jahr 1978 – damals wurde die WM in Argentinien ausgerichtet, in einem Land, in dem die Militärjunta brutal das Sagen hatte. „Wir erwarten mehr von den Funktionären. Verantwortung kann man nicht auf die Schultern von Sportlern übertragen.“

Boykott geht auf viele Weisen

Es war die Antwort auf eine wichtige Frage des Abends, inwieweit die Nationalspieler politisch Flagge zeigen sollten. „Boykott“, so Schulze Marmeling, „geht auf viele Weisen.“ Christoph Strässer, Präsident von Preußen Münster und viele Jahre als Bundestagsabgeordneter in Sachen Menschenrechten unterwegs, legte den Finger in die Wunde der Funktionärsriege. Er halte es für verlogen und bigott, wenn immer wieder gesagt werde, Sport und Politik gehören nicht zusammen. Und seine Kritik sagte auch: „Ein Boykott hätte 2010 kommen müssen, als die WM nach Katar vergeben wurde, aber da gab es keine breite Bewegung. Die hat sich erst langsam entwickelt.“

Im Zentrum der Kritik des Veranstalters AWO stehen, selbstredend, die Arbeitsbedingungen. Ein Aspekt war dabei der Sportartikelhersteller Adidas als WM-Sponsor, aber auch als das Unternehmen, das mit WM-Trikots den Rahm abschöpft – 90 Euro kostet das Dress, nur 90 Cent verdienten die Näherinnen der Jerseys mit ihrer Akkordarbeit.

Gastronomie geht eigene Wege

Münsters lokale Gastronomie geht nun in Teilen eigene Wege. Der Boykott der TV-Übertragungen sei ein Weg, sagte Markus Geßler. Er wird in seinen Lokalitäten keine WM-Spiele übertragen. Sein Credo: „Wir müssen jetzt Flagge zeige und zumindest etwas den Kommerz aus dem Fußball rausbekommen.“ Aber auch das stellte er klar: Andere Gastronomen hätten andere Zwänge, und wenn die Übertragungen zum Portfolio der Gaststätten gehörten, sei es mit einem solchen Boykott nicht so einfach. Die Lage rund um die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar bleibt verworren und kompliziert.

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