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Fußball: Regionalliga West

"Ein Witz war das": Preußen sehen bei der Niederlage in Oberhausen rot

Oberhausen

Zweite Saisonniederlage für Preußen Münster: Bei RW Oberhausen verlor das Team von Trainer Sascha Hildmann vor 4639 Zuschauern mit 2:3 (1:1). Hildmann wie auch Abwehrchef Alexander Hahn sahen dabei umstrittene Rote Karten.

Von Alexander Heflik

Rot für den Trainer: Schiedsrichter Johannes Liedtke kannte keine Gnade mit SCP-Coach Sascha Hildmann. Foto: Jürgen Peperhowe

Drama, Drama, Drama. Und alles verdichtet sich dann in dieser einen Szene. Im Fußball ist das manchmal so. Alexander Hahn stand jedenfalls ratlos am Spielfeldrand, als das Top-Spiel der Regionalliga West zwischen RW Oberhausen und Preußen Münster abgepfiffen war, und wusste nicht, wie ihm gut eine Stunde zuvor geschehen war. Hahn, ein so gesehen alter Fahrensmann in diesen Ligen, war nach 36 Minuten vom Feld gestellt worden.

„Ja, ein Witz war das. Ich habe in 29 Jahren nicht eine Rote Karte erhalten. Nicht eine. Und dann so eine“, blickte Münsters Abwehrchef auf die vermutlich spielentscheidende Situation zurück. Und: „Ich ging zum Schiedsrichter und habe ihn gefragt, ob er das ernst meint?“ Johannes Liedtke, ein junger Unparteiischer in seinem 16. Regionalliga-Einsatz, verstand keinen Spaß, machte kein Federlesens darum. Hahn runter, Elfmeter für Oberhausen, Münster nur noch zu zehnt, auch wenn Kreyer den Strafstoß an den Pfosten setzte und Nils Winter den Nachschuss an die Latte.

Aber, und das ist die Quintessenz, nun drehte sich praktisch alles zu Ungunsten der Preußen, die vor 4639 Zuschauern mit 2:3 (1:1) verloren – und die Tabellenführung nun an den SV Rödinghausen abgeben mussten. Nur ein Punkt aus den letzten drei Regionalliga-Partien gegen Aachen (2:4), Kaan-Marienborn (1:1) und nun gegen Oberhausen, das ist zu wenig. Der SCP spürt auf jeden Fall den Takt eines ausgemachten Herbst-Blues’.

Eine teilweise wankelmütige Schiedsrichterleistung

Dass auch Trainer Sascha Hildmann die Gelb-Rote Karte von Liedtke noch vor der Pause vor Augen geführt bekam, machte die schwache und teilweise wankelmütige Schiedsrichterleistung rund. Ja, Hildmann hatte wütend getanzt und den Referee kritisiert, nein, das ganz große Fingerspitzengefühl hatte Liedtke nicht. „Die Situation um Hahn und den Elfmeter hat die ganze Struktur der Partie geändert“, befand Hildmann zurecht. Die Statik des Spitzenspiels war eine andere, weil der SCP fast eine Stunde in Unterzahl agieren musste.

Das konnte gegen spielerisch nicht glänzende, aber kämpferisch überragende Hausherren nicht gut gehen. Zu viele Fehler leistete sich der SCP zudem in dieser Partie, gerade beim 0:1 durch Sven Kreyer war die linke Seite bei Winters Flanke sperrangelweit offen. Dass Münster ausgleichen konnte, lag an einer Ecke von Marc Lorenz und dem Kopfball von Simon Scherder, der vom Oberhausener Michael Wentzel ins eigene Tor bugsiert wurde.

Hildmann ändert das System

Dann kam Liedtkes Auftritt, der vielleicht gegen Simon Scherder nach dem Trikotzupfer an Kreyer auf den Elfmeterpunkt hätte zeigen dürfen, aber gegen keinen Preußen einen Platzverweis aussprechen durfte – schon gar nicht gegen den unbeteiligten „Ali“ Hahn. Münster überlegt, gegen den Platzverweis Protest einzulegen, damit dem 29-Jährigen die Spielsperre erspart bleibt. Hahn sagte: „Zu diesem Zeitpunkt stand es 1:1, und wir waren klar dominierend. Der Schiedsrichter hat seinen Anteil an dieser Niederlage.“

Heimfahrt ohne Punkt und mit ganz viel Frust

Die Preußen aber auch, denn nach der Pause kassierten sie prompt das 1:2 durch Kelvin Lunga. Die Einwechselung von Jerome Propheter zahlte sich auch gleich aus, er traf zum 3:1. Münster spielte mit, wehrte sich, war aber in der Offensive deutlich weniger effektiv. Es war, auch wenn es Oberhausens Coach Mike Terranova anders sah, keine Top-Partie, die alle vom Hocker riss. Münsters Aufbegehren in Unterzahl durch das 2:3 von Henok Teklab war nicht mehr entscheidend. Ein halbes Jahr nach der April-Gala der Preußen mit einem 3:0-Triumph im Stadion Niederrhein folgte nun eine Heimfahrt ohne Punkt und mit ganz viel Frust.

Lorenz: „Alles gegen uns“

Denn auch das gehört zur Realität, dass der SC Preußen seinen Nimbus eingebüßt hat. Gegner wie Oberhausen begehren auf, haben die Schwachstellen im Spiel des SCP ausgelotet. „Uns fehlt auch Zielstrebigkeit“, befand selbst Trainer Hildmann. Bis zur ominösen 36. Minute war es eben keine pure Demonstration der Fußball-Macht Münster. Stück für Stück hatte sich Preußen Vorteile erarbeitet, den Hausherren aber auch eine ganze Reihe von Chancen ermöglicht, selbst diverse Fehler angeboten. Das war ordentlich, aber dann auch nicht mehr.

„Wir werden uns straffen müssen“, sagte Hildmann. Die Konkurrenz wurde durch die letzten Ergebnisse des SCP wieder geweckt. Da geht was gegen den Meisterschaftsfavoriten Nummer eins. Die Partie in Oberhausen unterstrich das, die Selbstverständlichkeit der frühen Saisonphase ist dahin. Die Preußen benötigen schnell eine ergebnistechnische Kurskorrektur. Am kommenden Samstag kommt Aufsteiger 1. FC Düren. Ein guter Zeitpunkt zur Rückkehr in die Erfolgsspur.

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