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Fußball: B-Junioren-Bundesliga

Preußen-Neuzugang Kende Katko ist ein feinfühliges Mentalitätsmonster

Münster

Die U17 des SC Preußen Münster ist bestens in die neue Spielzeit gestartet. Ein Grund dafür: Kende Katko. Der 16-Jährige kam im Sommer von Borussia Dortmund - und hat eine Menge zu erzählen.

Von Jonas Austermann

Ein Dirigent mit absolutem Siegeswillen: Kende Katko (li.) spielt seit dem Sommer für Preußens U 17. Foto: Privat

Zwei Siege in zwei Bundesliga-Spielen, dazu das Halbfinale im NRW-Ligapokal – die Jungadler von Preußen Münsters U 17 erleben früh in der Saison einen Höhenflug. Im wahrsten Sinne mittendrin: Kende Katko. Der 16-jährige Mittelfeldmann kam im Sommer von Borussia Dortmund, nimmt in Münster gewissermaßen einen zweiten Anlauf und setzt dort seine ungewöhnliche Reise fort.

„Ich bin erst vor vier Jahren nach Deutschland gekommen“, sagt Katko – und entschuldigt sich gleich mal höflich für sein Deutsch, dabei spricht er gut. Ab und zu ringt er nach dem richtigen Wort, er ärgert sich dann. „Ich war zu lange bei der Nationalmannschaft“, erklärt er. Bei Ungarns U 17, um genau zu sein. Eine Woche verbrachte Katko beim Team von Coach Zoltan Szelesi. Als Profi war der heute 39-Jährige unter anderem drei Jahre für Energie Cottbus aktiv.

Schienbein angebrochen, Bänderriss und Corona

Preußens Mittelfeldmann kam bei den Partien gegen Russland (0:4, 1:1) jeweils von der Bank. Das stört ihn nicht groß. „Es war eine Ehre, für Ungarn zu spielen“, sagt Katko. „Das schafft nicht jeder.“ In Münster wird der 16-Jährige von Moritz Glasbrenner trainiert. Katkos Nominierung fürs Nationalteam überrascht den Coach kein Stück, er gerät ins Schwärmen, wenn er über seinen Neuzugang spricht.

Preußens U17-Coach Moritz Glasbrenner

„Auf dem Platz ist Kende ein Mentalitätsmonster, neben dem Platz sehr feinfühlig und mit gutem Gespür für die Mitspieler“, sagt Glasbrenner über seinen Sechser. Beim BVB ging Katkos Reise im Sommer nicht weiter, er wurde nicht in die U 17 übernommen. Nach einem Schienbeinbruch, einem Bänderriss und einer Corona-Erkrankung zählt für den jungen Kicker jetzt erstmal nur eins: „Ich brauche Spielzeit.“

Kende Katko Foto: Privat

Beim SCP dürfte er die bekommen, fast genauso wichtig: Katko fühlt sich wohl in Münster. „Der Club hat vielleicht nicht so viel Geld wie andere, aber hier ist die Atmosphäre wie bei einer echten Familie“, sagt er. Das hilft, die wöchentlichen Strapazen zu schultern. Katko besucht die zehnte Klasse der Geschwister-Scholl-Gesamtschule im Dortmunder Stadtteil Brackel – zu Fuß war‘s früher eine Viertelstunde zum Trainingsgelände des BVB. Diese Zeiten aber sind (vorerst) vorbei.

"Ohne die richtige Mentalität geht es nicht"

Stattdessen pendelt Katko zwischen Brackel, seiner Heimat Schwerte und Münster. „Oft geht es direkt nach der Schule weiter nach Münster“, sagt er. Neben dem Mannschaftstraining nimmt Katko dort Nachhilfe oder absolviert Zusatztraining.

Seine Arbeitsmoral kommt nicht von ungefähr. Katkos Eltern stammen aus der Ukraine, Kende aber wurde in Budapest geboren und wuchs dort als Teil einer siebenköpfigen Familie auf. „Und in Ungarn war es einfach so: Ohne die richtige Mentalität geht es nicht“, erklärt der 16-Jährige. Bei Fußballturnieren dort war Katko regelmäßig einer der Besten, trotzdem machte er sich vor Finalspielen jede Menge Druck. Glasbrenner, sein heutiger Coach, meint: „Er war sehr verbissen, hat von unseren Jungs aber inzwischen die notwendige Lockerheit gelernt.“

Über einen Umweg zum BVB

Katkos Vater bekam vor fünf Jahren ein Jobangebot in Deutschland, ermöglichte seiner Familie den Sprung in die Bundesrepublik. Sohnemann Kende verließ MTK Budapest, trainierte zur Probe beim BVB – und wusste zu überzeugen. Der damals 13-Jährige aber sollte sich erst mal an seine neue (fußballerische) Heimat gewöhnen, spielte ein Jahr für den Hombrucher SV, seines Zeichens Kooperationspartner des Bundesligaclubs. Katko fand sich schnell zurecht, wechselte mit 14 dann doch zum BVB.

Klingt nach einem Jugendlichen, der nur Fußball im Kopf hat? Weit gefehlt. Katko selbst sagt: „Ich gucke kaum Fußball im Fernsehen.“ Als die Corona-Pandemie das Leben entschleunigte, begeisterte sich Kende für Fotografie, lernte viel von seiner Schwester. Mittlerweile lichtet er Preußens U 17 ab oder schießt auf einer Klassenfahrt in Berlin 2000 Bilder. Und er sagt einen bemerkenswerten Satz für einen 16-Jährigen: „Viele Fotos bei Instagram gefallen mir nicht, denn man kann in Sachen Persönlichkeit so viel mehr rausholen, als es dort viele machen.“

Ein Mentalitätsmonster mit Auge fürs Detail, so könnte man Kende Katko beschreiben. Vorurteile wie jenes, dass der SCP eher ein kleines Licht in der U-17-Bundesliga ist, spornen ihn nur an. „Wir haben eine Chance, unter den Top sechs zu landen“, sagt er selbstbewusst. Die nächste Mission auf diesem Weg steht am Sonntag (15.30, Waldstadion Coerde) an, Gegner ist die SG Unterrath.

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