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Fußball: Portugal

"Der große Schmidt": Ungeschlagener Ex-Preußen-Trainer begeistert Benfica

Münster

Lissabon liegt Roger Schmidt zu Füßen. Zumindest der Teil der Stadt und die Menschen am Tejo, die mit Benfica Lissabon sympathisieren. Es sind die meisten in Portugals Metropole.

Roger Schmidt regiert im Stadion des Lichts in Lissabon: Benfica hat seit Schmidts Dienstantritt nicht mehr verloren. Foto: IMAGO/Miguel Pereira

Vor einigen Jahren hat der europäische Fußball­verband Uefa festgestellt, dass 47 Prozent der Portugiesen mit Benfica fiebern – kein Club kommt auf dem Kontinent in seinem Land auf einen vergleich­baren Wert. Kein FC Bayern München, kein Borussia Dortmund, auch nicht der FC Liverpool oder Real Madrid. Und ge­rade jetzt bewegt Schmidt, ein 55 Jahre alter Sauerländer, die Fantasien der Fans. Fast 300.000 Menschen be­sitzen den Mitgliedsausweis von Benfica.

„Der große Schmidt“ lautet die Schlagzeile, die als Dauerschleife in den Medien gepusht wird. Benfica Lissabon hat unter dem deutschen Fußballlehrer, der seine ­Profi-Karriere bei Preußen Münster (2007) startete und unter anderem auch Bayer Leverkusen und RB Salzburg betreute, das Verlieren verlernt.

Am 14. April kassierte Roger Schmidt mit seinem damaligen Club PSV Eindhoven die letzte Niederlage in einem Pflichtspiel, es war ein 1:2 im Viertelfinale der Conference League gegen Leicester City. Die letzten fünf Saisonspiele sowie das Pokalfinale gegen Ajax Amsterdam wurden dann noch gewonnen, die folgende Quote von Siegen und Remis in Portugal umfasst nun auch schon 20 Pflichtspiele. Rechnet man die Testspiele gegen OGC Nizza, FC Fulham und Newcastle United dazu, sind das 29 Partien – saisonübergreifend. „Ich kann mich an keine Niederlage mehr erinnern“, sagte Schmidt einst lachend als Coach in Münster, damals in der Regionalliga. Sein ­„Wagenburg-Ansatz“ ist ihm ­heilig, er denkt nur im inneren Zirkel, Negatives interessiert ihn praktisch nicht. Sein Mantra: Niederlage, was ist das?

Am Mittwoch bei Maccabi Haifa soll die Serie halten

In der Champions League gegen Paris St. Germain und gegen Juventus Turin hielt die Serie, Benfica steht bereits im Achtelfinale, am Mittwoch bei Maccabi Haifa soll die Serie halten. In der Meisterschaft führt Lissabon die Liga mit sechs Punkten Vorsprung vor Sporting Braga an, dem vielleicht letzten Verfolger in dieser Saison.

Pikant: Braga wurde zuletzt 2021 Pokalsieger in Portugal, Benfica wartet nach der Meisterschaft 2019 und dem Pokalsieg 2017 auf nationale Titel. Für die Anhänger ist das eine Ewigkeit. Schmidt soll sie erlösen.

Aber Braga dürfte auch der große Konkurrent von Benfica in der Zukunft werden, schließlich stieg Nasser Al-Khelafi mit Qatar Sports Investment in Braga mit einer Minderheits-Beteiligung von 21,67 Prozent ein. Al-Khalefi ist nicht nur einer der ganz großen Treiber hinter der WM-Bewerbung Katars gewesen, sondern auch umstrittener Strippenzieher hinter den TV-Rechte-Vergaben für die Weltmeisterschaften bis 2030 und Boss von PSG – dem völlig überdrehten Multi-Millionen-Investment Paris St. Germain. Seit dem Einstieg 2012 wurden rund 1,2 Milliarden Euro für Zugänge ausgegeben, rund 50 Millionen Euro wurden als Transfererlöse verbucht. Braga wird nun eine Art „Durchlauferhitzer“ für PSG, an­gehende Stars hier „geparkt“

Millionenschwere Transfers

Wobei Schmidt, der vom gebürtigen Gronauer und lange in Münster lebenden Co-Trainer Jens Wissing unterstützt wird, auch einige Transfers in Lissabon erlebt hat. Darwin Nunez wurde für 80 Millionen Euro an den FC Liverpool verkauft, Julian Weigl an Borussia Mönchengladbach verliehen. Aus Paris wurde der deutsche Nationalspieler Julian Draxler ausgeliehen, von Schachtar Donezk David Neres geholt – für 15 Millionen Euro.

Es ist eine seiner Spezialitäten, junge, unbekannte Akteure im Eiltempo auf höchstem Niveau zu etablieren. „O alemão“, dem Deutschen, gelingt gerade alles. Wäre in Lissabon morgen Bürgermeisterwahl, Schmidt würde gewinnen. Zum Glück für Fernando Medina ist es noch nicht so weit ...

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