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Fußball: 3. Liga

Tumulte nach Schlusspfiff

Osnabrück

Ohne Eklat geht ein Derby zwischen Preußen Münster und dem VfL Osnabrück wohl nicht über die Bühne. Während außerhalb des Stadions alles ruhig blieb, innerhalb der Arena auch die Stimmung eher mittelprächtig war, sorgte der Rachefeldzug des Tom Christian Merkens für einen Ausnahmezustand bei Abpfiff. 

Alexander Heflik

Welch heilloses Durcheinander: Tom Christian Merkens wird von Osnabrücker Spielern zurückgehalten. Zuvor soll er Amaury Bischoff, am Boden liegend, geschubst haben, um dann die Flucht über die Tribüne anzutreten. Preußens Sportvorstand Carsten Gockel war ihm sofort auf den Fersen (kleines Foto). Foto: Jürgen Peperhowe

Kommentar

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Der seit über einem Jahr verletzte Mittelfeldspieler, der beim Derby im März 2014 in Münster von Bischoff niedergestreckt wurde und seitdem vehement um sein Comeback ringt, lief ungehindert von Ordnungskräften auf das Feld und geriet mit Amaury Bischoff aneinander – er soll ihn geschubst haben, und wollte wieder auf der Tribüne verschwinden.

Das hat es im deutschen Fußball wohl auch noch nicht gegeben. Der 2:2 (1:1)-Endstand, der mit einem Eigentor von Tobias Willers (89.) und dem Ausgleich durch Halil Savran (90.+2) sowieso schon überaus dramatisch war, wurde durch den Rächer Merkens in den Schatten gestellt.

Wie konnte das passieren? „Ich wusste gar nicht, wer das war. Ich lief ihm nur hinterher, um die Personalien feststellen lassen zu können“, sagte Sportvorstand Carsten Gockel nach dem hektischen Ende. Dass es sich um Merkens, den defensiven Mittelfeldspieler handelte, wurde ihm erst später gewahr. Merkens wurde von Osnabrücks Sportkoordinator Lothar Gans zu Schiedsrichter Patrick Dankert (Rostock) in die Kabine gebracht, er entschuldigte sich und kam wortlos mit hochroten Kopf wieder raus. „Unfassbar“, befand Münsters Aufsichtsrats-Vorsitzender Thomas Bäumer. Gockel fügte an: „Wir werden uns die TV-Bilder dazu genau ansehen und uns gegen solche Dinge zur Wehr setzen. Sowas habe ich noch nicht erlebt.“

Osnabrücks Ex-Preuße Massimo Ornatelli versuchte seinen maladen Mitspieler Merkens ins Schutz zu nehmen: „Er macht eine ganz harte Zeit durch. Ich habe die Szene nur aus dem Augenwinkel gesehen. Er darf das natürlich nicht machen, trotz aller Emotionen muss er professionell damit umgehen.“ Bischoff ging zu Boden und wurde erst auf dem Platz und dann in der Kabine weiter behandelt. Merkens versuchte unterzutauchen, was ihm nicht gelang, der DFB-Kontrollausschuss wird die Dinge untersuchen. Dass Merkens Bischoff geschlagen haben soll, wollte am Ende Osnabrücks Gans infrage stellen: „Haben Sie das gesehen?“

Hatte Bischoff provoziert nach dem 2:1-Führungstreffer, den sich Osnabrücks Willers selbst ins Netz gelegt hatte? „Nach dem 2:2 kamen drei, vier Spieler und eine Person in Zivil auf mich zu, der mich dann schubst. Mehr will ich nicht sagen, das Video wird alles klären.“ Er habe das ganze Spiel, in dem er ausgepfiffen wurde, die Nerven behalten. Bischoff wollte sich nichts vorwerfen lassen und fügte an: „Ich habe noch nie gegen Osnabrück verloren.“

Zum Spiel: Marcos Alvarez zirkelte nach sieben Minuten einen tollen Freistoß zur Osnabrücker Führung ins Tor. Münster wachte dann auf, war über weite Strecken die spielerisch bessere Mannschaft. Philipp Hoffmann glich verdient zum 1:1 nach 24 Minuten mit einem Distanzschuss aus. Bis zur 70. Minute war der SCP ein Stück näher am Sieg, hatte durch Bischoff und Björn Kopplin (62.) eine Doppelchance zur Führung. Dann kamen die Schlussminuten. Willers versenkte einen Freistoß von Bischoff zum 1:2 ins eigene Tor, in der zweiten Minute der Nachspielzeit glich Halil Savran für die kämpferisch nimmermüden Hausherren aus.

Der letzte Auftritt gehört aber dem jungen Mann in Jeans und rotem Pullover. Fortsetzung vor dem DFB-Sportgericht folgt. Da stehen die Osnabrücker sowieso schon unter besonderer Beobachtung, einziger Pluspunkt dürfte sein, dass Merkens Harakiri-Aktion nach Abpfiff des Referees stattgefunden haben soll.

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