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Fußball: Regionalliga West

Verschwenderische Preußen kassieren in Köln späten Ausgleich

Köln

Preußen Münster hat die Tabellenspitze der Regionalliga West aufgrund einer schlechten Chancenauswertung verpasst. Das 1:1 (1:0) beim 1. FC Köln II beendete die sechsteilige Siegesserie, weil die lange Zeit bärenstarken Adler wieder viel zu viele Gelegenheiten liegen ließen und in der Schlussminute den Ausgleich kassierten.

Von Thomas Rellmann

Die Enttäuschung stand den Preußen-Spielern nach dem Abpfiff ins Gesicht geschrieben. Foto: Jürgen Peperhowe

Der Sprung auf Platz eins, der siebte Sieg in Serie, zum dritten Mal ohne Gegentor – eigentlich waren die Schlagzeilen schon fertig. Doch dann rächte sich das verschwenderische Auftreten von Preußen Münster beim 1. FC Köln II doch noch. Der Titelanwärter ließ beim 1:1 (1:0) eine Fülle an Großchancen ungenutzt und musste ganz zum Schluss erstmals nach über 300 Minuten wieder einen Gegentreffer schlucken.

Spieler wie Trainer waren nach dem Abpfiff konsterniert. Coach Sascha Hildmann sagte: „Wir waren klar überlegen, das 2:0 wäre der Dolchstoß gewesen. Das haben wir versäumt, das tut weh. Aber eine knappe Führung ist eben immer risikobehaftet, da kann immer einer durchrutschen.“ Verteidiger Robin Ziegele sah es ähnlich: „Es war ja nicht nur in diesem Spiel so, dass wir 3:0 oder 4:0 führen mussten, sondern die letzten beiden Wochen ja auch. Vorne haben wir das Tor nicht getroffen, hinten 90 Minuten lang den Laden dichtgehalten. Aber dann hat Köln alles nach vorn geworfen, es wurde unübersichtlich – und dann fiel der ärgerliche Gegentreffer.“

Der SCP begann wie in der Vorwoche beim 1:0 über Wiedenbrück, hatte aber verletzungsbedingt nur vier Feldspieler auf der Bank. Bei den Hausherren fehlten einige Profi-Leihgaben wie Marvin Obuz und Tim Lemperle, dafür war Top-Torjäger Florian Dietz nach zweiwöchiger Pause wieder dabei.

Die Startphase war zweifellos bemerkenswert: Schon nach drei Minuten hätte Münster führen müssen. Ein langer Ball von Dominik Klann landete bei Manuel Farrona Pulido, der völlig frei vor Keeper Julian Roloff auftauchte, aber etwas überhastet aus 16 Metern den Kasten verfehlte. Dem fleißigen Außenspieler fehlten erneut Glück und Effektivität. Noch deutlicher wurde es 120 Sekunden später, als Farrona Pulido einen schlimmen Roloff-Fehlpass aufnahm, querlegte auf Gerrit Wegkamp – doch der Angreifer schob dem Schlussmann aus Kurzdistanz die Kugel unbedrängt in die Arme.

Bundesliga-Akteur Noah Katterbach meldete die Geißböcke mit einem Schuss ans Außennetz an (8.), doch Münster hatte gleich die nächste Riesengelegenheit. Marvin Thiel flankte aus vollem Lauf, der kleine Henok Teklab stieg zum Kopfball hoch, traf aber nur die Latte (10.). Die dritte Megachance schon! Doch der vierte Versuch saß dann. Julian Schauerte flankte von rechts, Sava Cestic klärte per Kopf gar nicht so schlecht, doch Farrona Pulido ging volles Risiko und jagte die Kugel volley in den Knick (13.). Ein Traumtor – und so wichtig!

Bessere Chancenverwertung? Nein!

Also doch eine bessere Chancenverwertung? Nein, nur eine Minute später passte Wegkamp von außen auf Farrona Pulido, der wieder ganz blank war, doch seinen Schuss kratzte Ricardo Henning von der Linie (14.). Die erste Viertelstunde ging so klar an den SCP, dass es fast ein Drama war, dass der Vorsprung so knapp blieb. Danach beruhigte sich das Geschehen, die Adler-Abwehr hatte die Kölner Angreifer ganz gut im Griff, auch wenn gerade Dietz ab und an in gefährlicher Position auftauchte.

Der rutschige Boden bereitete beiden Teams leichte Probleme. Nicolai Remberg musste nach einer Ecke einen Kopfball von Yusuf Örnek in höchster Not klären (31.), doch ansonsten war der Gast weiter dominant, wenn auch die klaren Szenen der Anfangsphase bis zur Pause ausblieben und sich die Hausherren vermehrt nach vorn wagten.

Teklab trifft Unterkante der Latte

Durchgang zwei bestätigte das jüngste Bild. Die Rheinländer probierten mehr, die Preußen blieben aber gefährlich. Etwa bei Farrona Pulidos Schuss ans Außennetz (52.) oder Teklabs Versuch vorbei am langen Pfosten (57.) – beides nach Kontern. Die glasklaren Möglichkeiten wie in der ersten Halbzeit waren das aber nicht. Und hinten musste Münster aufmerksam bleiben, wenn die Gastgeber ihre schnellen Spitzen einschalteten.

Es lief wie mehrmals in den letzten Wochen. Der SCP hatte alles im Griff, verteidigte gut und musste doch noch bangen, weil der eigene zweite Treffer verpasst worden war. Richtig bitter wurde es nach 74 Minuten: Luke Hemmerich, gerade eingewechselt, spielte den Gegenstoß perfekt von außen auf Teklab, der quasi das leere Tor vor sich hatte, aber den Ball an die Unterkante der Latte knallte. Unfassbar! Die Entscheidung vor Augen! Beinahe hätte sich das umgehend gerecht, denn auf der anderen Seite musste Keeper Max Schulze Niehues bei einem Henning-Schuss wenige Augenblicke später erstmals eingreifen.

Schlimmer kann ein Spieltag kaum laufen

Auch Alexander Langlitz vergab noch eine Kontermöglichkeit nach Teklab-Zuspiel (83.). Ein Zufallsprodukt lieferte aber den Kölnern noch mal eine Option, als Noel Futkeu der Ball vor die Füße fiel, Schulze Niehues den Abschluss aber im Nachfassen hatte (87.). Der nasse Rasen, das knappe Ergebnis – auf der Tribüne hielten es die Clubverantwortlichen kaum aus. Sie ahnten, was passieren würde. Eine letzte Flanke von David Winke, Futkeu überspringt Hemmerich, Remberg versucht noch zu retten, was nicht zu retten ist, und fälscht den Kopfball ins eigene Tor ab (90.). Danach war bald Feierabend. Die Preußen sanken konsterniert zu Boden. Schlimmer kann ein Spieltag kaum laufen.

FC: Roloff – Henning, Örnek, Cestic, Winke – Castrop (75. Futkeu) – Olesen, Katterbach – Schwirten (46. Nottbeck) – Dietz (46. Kraus), Petermann (46. Mittelstädt)

SCP: Schulze Niehues – Schauerte, Ziegele, Hoffmeier, Thiel (59. Hemmerich) – Klann – Remberg, Deters (81. Scherder) – Teklab (84. Dahlke), Wegkamp, Farrona Pulido (63. Langlitz)

Schiedsrichter: Cedric Gottschalk (Bottrop)

Tore: 0:1 Farrona Pulido (13.), 1:1 Futkeu (90.)

Zuschauer: 900

Gelb: Mittelstädt, Kraus / Remberg, Thiel

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