Fußball: Regionalliga West

Waschechter Münsteraner Bindemann plötzlich im Preußen-Rampenlicht

Münster

Nur 53 Minuten benötigte Deniz Bindemann bislang pro Tor in der Regionalliga West. Sieben Treffer stehen für das Eigengewächs des SC Preußen zu Buche. Der 18-Jährige, der auch nächste Saison noch in der A-Jugend spielen dürfte, hofft auf eine Profikarriere. Trotzdem könnte Münster noch sehr viel Freude an ihm haben.

Thomas Rellmann

Nicht nur sein Näschen für die richtige Position zum Torschuss macht Deniz Bindemann aus, sondern auch eine gewisse Dynamik und die Bereitschaft, mit nach hinten zu arbeiten. Foto: Jürgen Peperhowe

Die Erfolgsgeschichte von Deniz Bindemann hätte auch am Samstag nicht enden müssen. Als er nach 15 Minuten beim FC Wegberg-Beeck den Ball zur vermeintlichen Führung für Preußen Münster über die Linie drückte, drehte der 18-Jährige bereits zum Jubeln ab. Es wäre sein achter Treffer im neunten Spiel gewesen, doch Schiedsrichter Cedric Gottschalk hatte Abseits gesehen. Mehr als umstritten, aber nun ...

An der Einschätzung, dass der SCP da ein Juwel in seinen Reihen hat, änderte die Szene nichts. Drei Tage zuvor hatte er mit drei Toren bei Fortuna Düsseldorf II seinen bisher besten Auftritt erlebt, dazu noch mit engagierter Arbeit im Rückwärtsgang geglänzt. Reden sollte das Talent dennoch nach wie vor nicht. Zu viel Aufmerksamkeit, zu viel Rummel seien nicht gut, so die Erklärung von Sportchef Peter Niemeyer und Coach Sascha Hildmann. „Er ist Jahrgang 2003“, sagt der Trainer. „Wir planen trotzdem die nächste Saison fest mit ihm.“ Die U 19 muss dann also ohne ihren Knipser auskommen, weil die Profis genau diesen Instinkt und diese Abgebrühtheit vor dem Tor gut gebrauchen können im angestrebten Rennen um den Aufstieg.

Zugesagt in Leverkusen

Vor zwei Jahren hatte Bindemann als B-Jugendlicher im Grunde schon bei Bayer Leverkusen zugesagt. Aber der ehemalige Sportdirektor Malte Metzelder zeigte ihm einen Weg an der Hammer Straße auf, der auch attraktiv klang. Bis 2022 ist der Torjäger noch gebunden. In Kürze setzen sich beide Seiten zusammen, natürlich will der Verein verlängern.

Neuerdings berät ihn die Agentur „GoalSky“ von Markus Peter. Für den Münsteraner, der beim SCP-Nachbarn Borussia seine ersten Schritte machte und als 13-Jähriger den Sprung in den Adler-Nachwuchs wagte, ist auch ein ehemaliger Preuße (2014 bis 2016) zuständig: Abdennour Amachaibou. Papa Hakan Demir, der die Laufbahn seines Sohns natürlich auch weiter begleitet, sagt: „Deniz kapiert natürlich, was er drauf hat, und will Profi werden. Aber es ist ein langer Weg, und es täte ihm sicher gut, erst mal zu bleiben. Mit Preußen in die 3. Liga aufzusteigen, wäre ein Traum. Er weiß auch zu schätzen, dass sich der Verein sehr um ihn kümmert und ihm viel gegeben hat.“

Zudem sei der Filius „ein Familientyp“. In der Heimat zu kicken, ist also nicht die schlechteste Option. Andererseits gibt es natürlich längst die eine oder andere Nachfrage. Bisher wurden die Interessenten abgeblockt. „Er soll sich nicht verrückt machen und in den letzten Saisonspielen unter Druck setzen.“

Kommentar: Eine Chance für beide Seiten

Der Reflex der Preußen, Deniz Bindemann unter Verschluss zu halten, ist auf den ersten Blick logisch. Allerdings wird ihn mit seiner jüngsten Quote jeder Scout bundesweit, der seinen Job ernst nimmt, längst auf dem Schirm haben. Die Sache könnte dennoch einfach sein. Dass dem 18-Jährigen nicht nur ein weiteres Jahr im Heimatclub gut täte, dass er das Potenzial hat, an der Drittliga-Rückkehr gehörig mitzuwirken, liegt auf der Hand. Ein, zwei Jahre Zuschlag auf seine Laufzeit könnten zu einer (auch finanziellen) Chance für beide Seiten führen. Danach stünde ihm die Fußballwelt immer noch offen.

von Thomas Rellmann

Ein Wechsel im Sommer scheint kein Thema zu sein. Ginge er in einem Jahr, erhielte der SCP allerdings keine Ablöse. Ein bisschen vertrackt, aber nicht unlösbar. Ja, fast ein Luxusproblem. Denn dass Bindemann so durch die Decke gehen würde, war vor wenigen Wochen nicht absehbar. Auch weil die A-Jugend nicht mehr spielte und trainierte, holte Hildmann ihn ins Training. „Er musste anfangs aber ganz schön aufholen“, so der Pfälzer. „Deniz hat hart trainiert, wurde aber noch nicht direkt eingesetzt. Wir dachten, der Coach will ihn nur langsam heranführen“, sagt Demir. „Trotzdem haben wir gehofft, dass er sein Können bald unter Beweis stellen darf.“

Und siehe da: Genau so kam es. Kader-Premiere im Januar in Bergisch Gladbach, erstmals eingewechselt gegen Wuppertal, Startelf- und Tordebüt gegen Straelen, Treffer in Ahlen, Doppelpack gegen Lippstadt, Dreierpack in Düsseldorf. „Wir genießen es und sind sehr stolz“, sagt Demir. „Einziger Wermutstropfen ist, dass keiner aus der Familie ins Stadion kann.“ Aber auch das dürfte spätestens im August wieder möglich sein.

Wie Warschewski, Steinkötter und Akono

Vor Deniz Bindemann haben in den vergangenen Jahren schon andere Top-Stürmer aus dem Preußen-Nachwuchsbereich den Sprung ins Profigeschäft versucht. Tobias Warschewski startete 2016 furios als A-Junior in der 3. Liga (insgesamt 46 Spiele, fünf Tore) durch, schaffte es sogar in die U-19-Nationalelf – und stürzte dann nicht nur wegen diverser Verletzungen ab. 2019 verließ er den SCP. Nach einer Kurzstation beim 1. FC Phönix Lübeck (Regionalliga) ist er nun beim FC Edmonton in Kanada gelandet.

Justin Steinkötter knipste 2017 ganz gut in der A-Jugend-Bundesliga, hatte zwei Kurzeinsätze bei den Senioren und verabschiedete sich im Winter zu Borussia Mönchengladbach. Dort spielt der 21-Jährige bisher in der Zweiten (Regionalliga/86 Partien, 23 Tore in drei Jahren).

Die beste Perspektive hatte Cyrill Akono, der 2018 und 2019 in 17 Einsätzen fünf Tore erzielte und auch in der U 19 auf sich aufmerksam machte (30 Spiele, 20 Tore). Dann ging er vor zwei Jahren zum FSV Mainz 05, wo er nur in der Regionalliga-Reserve zum Einsatz kam (23 Partien, vier Treffer). Aktuell ist er an den VfB Lübeck ausgeliehen, im Sommer nimmt der 21-Jährige beim SC Verl einen weiteren Drittliga-Anlauf.

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