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Basketball: 2. Bundesliga Pro B

Kappenstein nach Ausstieg bei WWU Baskets: „Ich bin als Coach noch nicht fertig“

Münster

Er war und ist ein Gesicht des Clubs, eine Legende der WWU Baskets Münster. Nachdem Philipp Kappenstein in der vergangenen Woche kundtat, dass er aufhört, schaut er nun auf seine Zeit an der Seitenlinie zurück – und blickt gleichsam nach vorne.

Von Henner Henning

2012 ging die Zusammenarbeit von Trainer Philipp Kappenstein und Manager Helge Stuckenholz (o.l.) los – es wurde eine Erfolgsgeschichte. Aufstieg aus der Regionalliga, Pokalsiege sowie die Vizemeisterschaft in der Pro B gab es zu feiern, der immer alles gebende Coach wurde dreimal zum „Trainer des Jahres“ gewählt. Foto: Jürgen Peperhowe (3), Christina Pohler

Lange musste Philipp Kappenstein im Sommer 2012 nicht nachdenken, als Manager Helge Stuckenholz bei ihm anklopfte und ihm den Trainerposten beim UBC Münster anbot. Natürlich sagte der heute 42-Jährige bei seinem Verein zu, für den er schon als Junior und später als Kapitän der Herren-Mannschaft auf das Feld ging. Damals ahnte Kappenstein noch nicht, dass seine Reise als Coach neun Jahre dauern würde. Eine lange Zeit, in der sich der Club enorm entwickelt und viele Basketball-Feste gefeiert hat. Nach reiflicher Überlegung aber beschloss Kappenstein nun, seinen Posten als Coach des Pro-B-Ligisten WWU Baskets Münster niederzulegen. Im Rückblick spricht Kappenstein über...

... seine Gründe aufzuhören: „Es sind vier Gründe. Da wäre erstens die berufliche Doppelbelastung. Eigentlich war der Trainerjob ein Nebenjob, der aber wie ein hauptamtlicher Zeit gefressen hat. Das war am Limit. Ich war eine Zeit lang in der Pro B der einzige nicht hauptamtliche Trainer, in der Pro A wäre es ohnehin so nicht weitergegangen. Der zweite Grund ist, dass ich mal Zeit benötige, um alles zu reflektieren und mal durchzuatmen. Ich habe damals gesagt, dass ein Trainer selten länger als drei Jahre bleibt. Nun sind es neun geworden, davon haben wir sieben Jahre in Folge um die Meisterschaft gespielt. Da blieb wenig Zeit. Der dritte Grund war die hohe Belastung der Vorsaison durch Corona. Das war schon grenzwertig, hat die letzten Prozent herausgequetscht. Und viertens kann ich nun ruhigen Gewissens übergeben, wir haben unheimlich viel erreicht. Mehr als wir uns vorgestellt hatten. Der Verein ist stabil, wir bekommen eine frisch renovierte Halle, hatten mit dem Aufstieg, der Vizemeisterschaft in der Pro B und drei WBV-Pokalsiegen viel Erfolg.“

... die emotionalsten Momente seiner Trainerzeit: „Da gibt es ein paar Stationen und Augenblicke, die prägend und wegweisend waren. Wir haben damals diese Entwicklung nicht erwartet und hätten uns nicht träumen lassen, dass wir in der Saison 2018/19 mal zehn Spiele in Folge in der Halle Berg Fidel ausverkauft sein würden. Der erste besondere Moment war der Pokalsieg 2013 gegen Sechtem, als ­David Hicks in zwei Spielen fast 100 Punkte gemacht hat, im Heimspiel hatten wir damals 700 Zuschauer. Es ging dann in der Saison 2014/15 weiter, das Köln-Spiel in der ausverkauften Uni-Halle war unglaublich, auch wenn wir später die Meisterschaft nur um einen Korb verpasst haben. Unvergesslich sind die Siege in Grevenbroich und wenig später gegen Bonn, als wir den Aufstieg in die Pro B perfekt gemacht haben. Und dann 2018 der Buzzerbeater von Jojo Cooper zum Sieg über Iserlohn, der den Boom so richtig ausgelöst hat. Dass ich das alles miterleben und mitgestalten durfte, macht mich sehr stolz. Ich kann guten Gewissens sagen, dass ich wirklich alles, was ich zu geben hatte, auf dem Platz beziehungsweise an der Seitenlinie gelassen habe.“

... seinen Nachfolger Björn Harmsen: „Ich kannte ihn vorher nicht persönlich. Wir haben in den vergangenen ein, zwei Monaten schon sehr konstruktiv zusammengearbeitet. Dass ein sehr guter Nachfolger bereitstand, hat es für mich leichter gemacht. Die Mannschaft ist in sehr guten Händen.“

... seine sportlich wichtigsten Bezugspersonen: „Ich habe mit so vielen tollen Menschen gearbeitet, da kann ich nicht alle nennen. Danke möchte ich Gunda Klöpping, Mareike Fink und Christoph Schneider sagen, die es damals hinter den Kulissen ermöglicht haben, dass ich zurück nach Münster komme. Zu meinen vier Co-Trainern Christoph Schneider, Atilla Göknil, Chad Prewitt und Baris Türkel hatte ich eine besondere Beziehung, auch zu Marco Lenz, der seit ich 17 bin dabei ist. Und natürlich zu Helge, mit dem ich effektiv, erfolgreich und gerne gearbeitet habe. Mein Dank geht an alle Spieler, besonders an meine Familie, die super viel Verständnis aufgebracht hat, an meine Freunde und an alle Fans und Unterstützer.“

... seine Zukunft nach dem Abschied: „Ich werde nach 34 Jahren Basketball nun erst einmal Luft holen und mir Gedanken machen, freue mich auf den unbekannten Rhythmus ohne Vorbereitung und Spiele. Die Rolle als Sportlicher Leiter ist sehr attraktiv, ich will mich weiter strukturell einbringen. Gerade die Vernetzung der ersten mit der zweiten Mannschaft und mit den Jugend-Teams möchte ich vorantreiben. Das hat zuletzt etwas stagniert. Mir liegt der Verein am Herzen. Und als Coach bin ich definitiv noch nicht fertig, sehe die kommende Zeit als Pause.“

Neuhaus zu den Hamm Stars

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