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Springreiten

Beerbaums Pferde-Imperium in der Provinz

Riesenbeck (dpa)

Der Pferdesport wird immer professioneller. Das zeigt sich exemplarisch an dem reitenden Unternehmer Ludger Beerbaum, auf dessen Anlage 2023 auch Dressur-EM und ein Fünf-Sterne-Turnier stattfindet.

Michael Rossmann, dpa

Ein Blick auf den Reitparcours in Riesenbeck. Foto: Friso Gentsch/dpa

Die Liste der Veranstaltungen liest sich imposant. Im kommenden Jahr wird Ludger Beerbaum auf seiner Anlage nicht nur zehn internationale Zwei-Sterne-Turniere für Springreiter organisieren, sondern erstmals auch eine Station der Millionen-Serie Global Champions Tour sowie die Para- und die Dressur-EM.

In der nordrhein-westfälischen Provinz hat der viermalige Olympiasieger ein Pferdesport-Imperium aufgebaut, das 2023 gleich mehrfach im Blickpunkt steht.

«Ich bewundere Ludger, wie er jetzt auch noch Veranstaltungen macht», schwärmte Isabell Werth, die im Juli auf der Anlage von Riesenbeck International um EM-Medaillen reiten will. Tatsächlich sitzt Beerbaum immer noch selber im Sattel. Der 59-Jährige gewann 2022 sogar zwei Stationen der Global Champions Tour. Und er betreibt zudem eine Zuchtstation, unterhält einen Turnierstall und verkauft Pferdefutter unter dem Namen «Ludgers».

Beerbaum - der reitende Unternehmer

Genau genommen gehört der größte und wichtigste Teil seiner Geschäfte seit Mitte 2021 dem Private-Equity-Unternehmen Waterland, das die Mehrheit der Anteile unter dem Namen Global Equestrian Group (GEG) hält. «Am Ende steht die Frage, wer bezahlt die Party», sagte Beerbaum bei der Vorstellung des Übernahme-Deals.

Der reitende Unternehmer ist Gesellschafter und Manager bei der GEG, die inzwischen mehr als 15 Pferdesport-Marken führt - vom Dressurstall über ein Magazin und einen Sattel-Hersteller bis zu einem Modelabel. Die Riesenbeck International GmbH ist eines der Tochterunternehmen der in Dänemark ansässigen Gruppe. Sie organisiert primär Turniere. «Ludger gibt die Richtung vor», sagte GEG-Manager Anders Bjørnstrup Bech: «Er weiß, wie es geht.»

Bech erklärte auch das Geschäftsmodell: «Die wichtigste Einnahmequelle im Reitsport sind Verkauf und Handel. Ohne Turniere gibt es keine Nachfrage nach Pferden.» Vor allem die vielen Zwei-Sterne-Turniere sowie die knapp 20 «Late entry» genannten Tages-Turniere werden nicht für Zuschauer gemacht, sondern sind eine Mischung aus Wettkampf, Trainingsmöglichkeit und Transfermarkt. 

Einer der beiden sportlichen Höhepunkte ist neben der Dressur- und der Para-EM im September das erstmals organisierte Fünf-Sterne-Turnier im Juli - sodass die millionenschwere Global-Champions Tour hierzulande nicht mehr in Berlin und Hamburg Station macht, sondern in einem Stadtteil der Gemeinde Hörstel.

Pferdesportzentrum im Tecklenburger Land

Dafür hat Beerbaum in den zurückliegenden Jahren im Tecklenburger Land «eines der spektakulärsten Pferdesportzentren» gebaut, wie es das Unternehmen selber beschreibt. Neben dem großen Rasenstadion, wo 2021 André Thieme bei der Europameisterschaft der Springreiter Einzel-Gold gewann, gibt es gleich mehrere Reit- und Fahrplätze, einen Reithallen-Komplex sowie mehr als 300 Ställe. «Wir sind 2014 hier gestartet», erklärte Beerbaum. «Es ergibt keinen Sinn, nur zwei Turniere im Jahr zu machen.» 

Ähnliche Geschäftsmodelle mit mehreren Turnieren pro Jahr gibt es auch woanders, unter anderem auf der Anlage des Pferdehändlers und Global-Champions-Tour-Organisators Jan Tops in Valkenswaard. Auch in Spanien und Italien gibt es mehrere solcher Anlagen, die hauptsächlich in den kalten Monaten von deutschen Reitern genutzt werden.

«Das ist ein Trend mit professionellen Veranstaltern», erklärte Otto Becker. Der Bundestrainer der Springreiter sagte weiter: «Ich würde mir wünschen, dass wir in Deutschland mehr solcher Pferdesportzentren wie Riesenbeck bekommen. Die ein oder andere Anlage würde uns gut tun.»

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