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Leichtathletik

Lauflegende Emil Zatopek und seine Dana wären 100 geworden

Prag (dpa)

Emil Zatopek gehört bis heute zu den größten Langstreckenläufern der Leichtathletik-Geschichte. Auch seine Frau Dana war Olympiasiegerin für die damalige Tschechoslowakei.

Von Michael Heitmann, dpa

Emil Zatopek, der frischgebackene Olympiasieger im Marathonlauf, gibt kurz nach dem Überqueren der Ziellinie seiner Frau Dana Zatopkova einen Kuss. Foto: -/dpa

Es war wohl einer der rührendsten Momente der Olympia-Geschichte: In Helsinki umarmten sich 1952 die tschechoslowakische Lauflegende Emil Zatopek und seine Frau Dana leidenschaftlich vor den Kameras.

«Es war ein schöner Kuss», sagte sie später. Er hatte da gerade nach den 5000 und den 10.000 Metern auch noch den Marathon gewonnen - ein phänomenaler Dreifach-Triumph. Und sie holte mit 50,47 Metern Gold im Speerwurf.

Neben ihrem sportlichen Eifer und ihrer Liebe verband die beiden Eheleute auch noch das Geburtsdatum. Am 19. September 1922 wurde Emil Zatopek in Koprivnice geboren, seine spätere Frau Dana am selben Tag im 40 Kilometer entfernten Frystat. Erinnert wird daran nun in Tschechien mit Ausstellungen, Konzerten, Schülerwettbewerben und der Enthüllung einer Statue. Er starb bereits im November 2000, sie knapp 20 Jahre später.

«Du kannst nicht mehr? Dann gib Gas!»

Eine Bronzefigur Zatopeks steht im Garten des Olympischen Museums in Lausanne. Der vierfache Goldgewinner stellte zudem nicht weniger als 18 Weltrekorde auf. Als Erster lief er 1954 in Brüssel die Distanz von zehn Kilometern in weniger als 29 Minuten. Auf der 5000-Meter-Strecke unterbot er kurz zuvor in Paris mit 13:57,2 Minuten die Zeit des legendären Schweden Gunder Hägg. Bereits 1951 übertraf er im Stundenlauf die Marke von 20 Kilometern.

Sein schwerfälliger, aber kraftvoller Laufstil brachte Zatopek den Spitznamen «die Lokomotive» ein. Er schnitt Grimassen, schwenkte den Kopf hin und her, wirkte alles andere als elegant. Kritik daran soll er mit dem Kommentar zurückgewiesen haben: «Sie wissen doch, dass dies weder Gymnastik noch Eiskunstlauf ist.»

Nicht weniger ungewöhnlich waren seine Trainingsmethoden. Er lief in schweren Stiefeln, um im eigentlichen Wettkampf ein Gefühl der Leichtigkeit zu empfinden. Oder er trug seine Frau Dana bei Stadionrunden auf dem Rücken. Zatopek entdeckte schon damals die Vorzüge des Intervalltrainings. Sein Motto lautete: «Du kannst nicht mehr? Dann gib Gas!»

Zatopek steht für Willensstärke und Ausdauer

Vor knapp einem Jahr kam in Tschechien ein Spielfilm über den Star-Athleten in die Kinos, der schlicht «Zatopek» heißt. Auf die Hauptrolle bereitete sich der Schauspieler Vaclav Neuzil mit einem jahrelangen Lauftraining vor, verlor rund zehn Kilo Gewicht. «Wenn man den Namen Emil Zatopek sagt, dann denken die Menschen zuerst an Willensstärke, an Ausdauer, Zielstrebigkeit und Fleiß», sagt der in Prag lebende 42-Jährige.

Was motivierte Zatopek? Er habe mit dem Laufen seine Freiheit und Unabhängigkeit gefunden, sagt Neuzil. Tatsächlich wuchs Zatopek in ärmlichen Verhältnissen als zweitjüngstes Kind von acht Geschwistern auf. Bevor er in die Armee eintrat und sich ganz dem Sport widmete, arbeitete er eher unglücklich in den Bata-Schuhwerken der ostmährischen Industriestadt Zlin.

«Ein ewiger kleiner Junge»

Manche Historiker kritisieren, dass sich Zatopek vom damaligen sozialistischen Regime in der Tschechoslowakei habe vereinnahmen lassen. Er sei 1953 der kommunistischen Partei KSC beigetreten und später unter dem Decknamen «Macek» als Mitarbeiter des militärischen Abwehrdienstes (VKR) geführt worden, heißt es. Nicht bekannt ist, worin diese Zusammenarbeit konkret bestand.

Nach dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen im August 1968 fiel Zatopek dann wegen Kritik am Regime vorübergehend in Ungnade. Einige Jahre lang musste er sich als Hilfsarbeiter bei einem Brunnenbohrbetrieb durchschlagen.

«Ich denke, dass er niemandem bewusst geschadet hat», sagt Zatopek-Darsteller Neuzil zu der Kontroverse. Zugleich habe der Spitzensportler gewusst, dass er ohne Unterstützung der Herrschenden nicht das erreicht hätte, was er wollte. Neuzil sagte: «Er war ein sehr extrovertierter und eigener Mensch, aber auch sehr verletzlich - und ein ewiger kleiner Junge.»

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