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Turnen

«Mehr Freiheit im Kopf»: Turnerin Seitz als neue Anführerin

Liverpool (dpa)

Elisabeth Seitz geht zum zehnten Mal bei einer Turn-WM an die Geräte. Doch für die 28-Jährige ist in Liverpool etwas neu.

Von Katja Sturm, dpa

Turnerin Elisabeth Seitz in Aktion am Stufenbarren. Foto: Christoph Soeder/dpa

Ihr eigener Erfolg ist für Elisabeth Seitz bei ihrer schon zehnten Turn-WM längst nicht mehr das einzig Wichtige. Die 28-Jährige reist mit einem neuen Gefühl der Gelassenheit zu den Wettkämpfen nach Liverpool – und in ungewohnter Rolle als Anführerin.

«Ich mache mir nicht den Stress, unbedingt das Finale am Stufenbarren erreichen zu wollen», sagt die Europameisterin und WM-Dritte von 2018 an diesem Gerät. Vielmehr will die Stuttgarterin bei den Titelkämpfen ab Freitag bis zum 6. November ihren vier jüngeren Teamkolleginnen, die alle ihr WM-Debüt feiern, so viel Sicherheit wie möglich geben.

Seitz nach Corona wieder bei Kräften

«Wenn es meinem Umfeld gut geht, fühle ich mich selbst wohl und kann besser turnen», erklärt die deutsche Rekordmeisterin. Bestenfalls gelinge es ihr dann auch, in die Entscheidung der besten Acht an den beiden Holmen am Samstag einzuziehen. «Aber ich weiß, dass es am Barren sehr viele Weltklasseturnerinnen gibt», sagt Seitz. Sie selbst sieht sich nach einer Corona-Erkrankung nicht auf ihrem höchsten Leistungsniveau. Die Übung mit der Schwierigkeit von 6,1 Punkten, mit der sie im August bei den European Championships in München Gold holte, funktionierte im Training aber wieder.

Für die zweite und entscheidende WM-Qualifikation vor zwei Wochen in Rüsselsheim hatte Seitz die Wertigkeit ihres Vortrags noch deutlich herunterschrauben müssen. Gerade als sie im September ihre Belastung nach einer kurzen Erholungsphase wieder hochfahren wollte, packte das Virus kräftig zu. Erst ein letzter Test vor einer Woche beseitigte die letzten Zweifel daran, «dass ich mich wieder auf mich und meinen Körper verlassen kann», sagt Seitz.

Außer am Barren wird die Mehrkampf-Neunte der Olympischen Spiele von Tokio aufgrund des Trainingsrückstands, wie schon bei der EM, nur noch am Sprung starten. Sie wolle nichts riskieren. Zwar werden in Liverpool die ersten drei Team-Tickets für die Sommerspiele 2024 in Paris vergeben. Doch diese Latte liegt für die Riege des Deutschen Turner-Bundes (DTB) zu hoch. Für den illustren Kreis der insgesamt zwölf Olympia-Teilnehmer will man sich bei der WM im kommenden Jahr im belgischen Antwerpen empfehlen.

Seitz: «Ich muss die meiste Ruhe ausstrahlen»

Das reduzierte Programm lässt Seitz «mehr Freiheit im Kopf» für die Aufgabe, die sie sich als erfahrenste Athletin in der DTB-Riege gestellt hat. Aus dem Team, das bei der EM überraschend Bronze geholt hatte, ist neben ihr diesmal nur die Schwebebalken-Europameisterin Emma Malewski aus Chemnitz dabei. Die Stuttgarterin Kim Bui hat ihre Karriere beendet, die Kölnerin Sarah Voss meldete sich wegen langwieriger Wadenprobleme frühzeitig für die Reise nach England ab. Während des abschließenden Lehrgangs musste die WM-Zweite am Balken, Pauline Schäfer-Betz (Chemnitz), wegen einer Fußverletzung passen. Die damit in personeller Hinsicht erheblich geschwächte Mannschaft komplettieren nun Anna-Lena König (Bodersweier), Karina Schönmaier (Buchholz) und Lea Marie Quaas (Chemnitz), die alle zum ersten Mal bei einem internationalen Großereignis dabei sind.

«Ich bin die Einzige, die schon viel Erfahrung hat», sagt Seitz. «Ich muss die meiste Ruhe ausstrahlen, weil ich am besten weiß, wie alles abgeht.» Dass sich bei den Jüngeren größere Nervosität einschleicht, je näher die Qualifikation am Sonntag rückt, sei nicht zu vermeiden. «Aber ich will ihnen so viele Unsicherheiten wie möglich nehmen, damit sie ohne Fragen im Hinterkopf bei der WM aufs Podium gehen», sagt die Kapitänin.

Das Ziel müsse sein, «alles, was wir uns im Training hart erarbeitet haben, bestmöglich auf die Bühne zu bringen». Das sei für die Jüngeren Herausforderung genug. «Natürlich schauen wir immer auf die Top acht, die das Teamfinale am Dienstag erreichen. Aber in der Situation, in der wir jetzt sind, sollte der Gedanke an eine bestimmte Platzierung in den Hintergrund treten», sagt Seitz.

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