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Deutscher Tennis Bund

Alexander Zverev - und dann? Sorge um deutsche Tennis-Elite

München (dpa)

Der Erfolg von Alex Zverev entscheidet meist über den Erfolg von Tennis-Deutschland. Ohne den Hamburger tut sich nicht viel. Der DTB will seine Förderung daher optimieren.

Von Jordan Raza und Jann Philip Gronenberg, dpa

Der Präsident des Deutschen Tennis-Bundes (DTB), Dietloff von Arnim, wünscht sich mehr deutsche Top-Spieler in der Weltspitze. Foto: Claudio Gärtner/Foto: Claudio Gärtner/obs

Alexander Zverev war fest eingeplant für die Endphase des Münchner Tennisturniers. Dass sich statt des Olympiasiegers Oscar Otte als bester Deutscher ins Halbfinale spielte und am Samstag ausgerechnet auf Zverev-Bezwinger Holger Rune aus Dänemark trifft, überraschte.

Ausreißer der deutschen B-Riege nach oben sind eher selten. Normalerweise muss Zverev liefern - sonst wird es düster um Schwarz-Rot-Gold. Oder wie Ex-Wimbledonsieger Michael Stich es formulierte: «Danach tut sich halt nicht viel». Die Forderungen an den Deutschen Tennis Bund (DTB) nach mehr Unterstützung für Nachwuchsspieler werden lauter. Der Verband reagiert.

Neben dem Weltranglisten-Dritten Zverev stehen aktuell vier weitere deutsche Herren unter den besten 100. Doch Otte (62), Dominik Koepfer (66), Daniel Altmaier (67) und Jan-Lennard Struff (69) müssen meist früh im Turnierverlauf in die Zuschauerrolle wechseln. «Wir haben gerade nicht mehr so die Dichte», beschrieb Routinier Philipp Kohlschreiber, der in München in Runde eins ausgeschieden war, den Status quo.

DTB will Förderkonzept optimieren

Und bei den Damen? Die großen Zeiten von Ex-Nummer 1 Angelique Kerber und Andrea Petkovic scheinen vorbei zu sein. Laura Siegemund dümpelt nach ihrer Verletzungspause auf kleineren Turnieren rum. Alle drei sind bereits 34 Jahre alt. Gefühlt verabschiedet sich gerade eine ganze Tennis-Generation - und niemand rückt nach. «Bei dem größten Tennisverband der Welt sollte man davon ausgehen, dass wir acht oder zehn Spieler in den ersten 100 haben», sagte Stich.

Der DTB will daher sein Förderkonzept optimieren. «Unser Anspruch muss sein, uns in der Zukunft besser aufzustellen, dass wir da über eine größere Breite von Top-50-Spielern verfügen. Im Augenblick stehen wir nicht gut da», sagte DTB-Präsident Dietloff von Arnim. Vor allem die Unterstützung junger Talente sei noch nicht optimal.

Rücker soll Jugendförderung vorantreiben

So soll die neue DTB-Sportdirektorin und ehemalige Vorstandschefin des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Veronika Rücker, etwa die Jugendförderung vorantreiben. Am 1. Juli tritt die 51-Jährige ihr neues Amt an. Vor allem die Vereinbarkeit von Tennistraining und Schule müsse optimiert werden. «Da sind andere Länder uns einen ganzen Schritt voraus, in dem sie schon digitale Schulformate für Nachwuchsspieler besser anbieten», erklärte von Arnim.

Doch oft fehlt es nicht nur an adäquater Förderung. Auch die richtige Einstellung entscheidet mitunter über den Erfolg auf dem Weg in die Weltspitze. «Da fehlt mir manchmal dieser Kampf. Das bringe ich auf jeden Fall mit», sagte Kohlschreiber und bot seine Hilfe regelrecht an: «Im Arbeiten, da würde ich gerne meine Philosophie und meinen Antrieb weitergeben.»

Eine Offerte, die der DTB gerne annimmt. «Wir werden jetzt bald auf ihn zugehen. Wir werden auf seine Expertise zurückgreifen können», sagte von Armin und teilte Kohlschreibers Einschätzung. «Dieser Ansatz ist richtig. Talente gibt es viele, aber zum Schluss sind es die harten Arbeiter, die auf der Tour Erfolg haben.»

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