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Fußball-Weltmeisterschaft

FIFA-Berater halten an WM-Plan fest - Europa-Boykott-Drohung

Doha/Nyon (dpa)

Die Technische Beratungsgruppe der FIFA um Arsène Wenger will die Reform des Fußball-Kalenders. Die Weltmeisterschaften sollen alle

Von Jan Mies, dpa

Fußball-Weltmeisterschaften sollen ab 2026 alle zwei Jahre stattfinden. Foto: Kurt Schorrer/FIFA/dpa

Mit grüner Zimmerpflanze im Hintergrund sprach Arsène Wenger von nicht weniger als vom «Fußball von morgen».

Der gemeinsame Vorschlag des einstigen Toptrainers und auch von deutschen Ex-Nationalspielern entzweit aber die Fußball-Welt in bedenklichem Ausmaß: Die Technische Beratungsgruppe des Weltverbands FIFA schlägt offiziell die Ausrichtung der Weltmeisterschaften in einem neuen Zweijahresrhythmus vor. In der Bundesliga stößt die Idee auf massive Kritik, UEFA-Präsident Aleksander Ceferin droht mit Boykott.

UEFA-Boss droht mit Boykott

«Wir können entscheiden, nicht teilzunehmen», sagte der Chef der Europäischen Fußball-Union in einem Interview der britischen «Times». Das sei, soweit er wisse, auch die Position der Südamerikaner. «Viel Glück mit einer solchen WM», sagte Ceferin und gab an, weiterhin zu hoffen, dass die FIFA «wieder zu Sinnen» komme. Der Vorschlag würde «den Fußball töten». In Deutschland weiß der UEFA-Präsident Verbündete.

Der Deutsche Fußball-Bund äußerte dazu, er halte den aktuellen Vier-Jahres-Rhythmus grundsätzlich für angemessen, werde das Thema aber in einer Präsidiumssitzung demnächst nochmals erörtern. Der Vorschlag würde «den Fußball töten», meinte dagegen Ceferin. In Deutschland weiß der UEFA-Präsident Verbündete.

«Was ich davon halte? Nichts», sagte Freiburgs Trainer Christian Streich, ehe Wenger gut eine Stunde später eine Online-Pressekonferenz abhielt. «Wenn sie jetzt eine WM alle zwei Jahre machen, dann weiß ich nicht mehr, wie das dann noch gehen soll.» Bayern Münchens Sportvorstand Hasan Salihamidzic nannte den brisanten Plan «Quatsch. Ich habe mir eigentlich gedacht, dass die alle sechs Jahre kommt.»

Wenger aber sprach mit Überzeugung über die tiefgreifende Reform des internationalen Spielkalenders. Dem Vorschlag zufolge sollen die Änderungen endgültig nach der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko mit erstmals 48 Nationen greifen. 2027 würden dann die Turniere der Konföderationen ausgerichtet werden, also auch die Europameisterschaft. Im bislang noch geplanten EM-Jahr 2028 soll dann direkt wieder eine WM gespielt werden. Beschlossen ist die Abkehr vom Vierjahresrhythmus noch längst nicht - erwartet werden weitere, hitzige Diskussionen im FIFA-Council, ehe auch der FIFA-Kongress einbezogen werden dürfte.

«Neuordnung der Turniere»

«Was wir vorschlagen, ist eine Neuordnung der Turniere der Konföderationen», sagte Wenger. «Du gibst mehr Mannschaften die Chance, sich zu qualifizieren, aber auch mehr Ländern die Möglichkeit, eine WM auszurichten.» Der Vorschlag würde «den Fußball besser machen können». In der Technischen Beratungsgruppe sitzen etliche Ex-Profis, auch die früheren deutschen Weltmeister Lothar Matthäus, Jürgen Klinsmann und Sami Khedira, von denen zunächst keine eigene Reaktion zu vernehmen war.

Der FIFA-Kongress hatte im Mai eine entsprechende Machbarkeitsstudie für das Männer- und Frauen-Turnier auf den Weg gebracht, die aus Saudi-Arabien angeregt worden war. Darauf beriefen sich am Donnerstag neben Wenger auch der Brasilianer Ronaldo sowie der Australier Tim Cahill. 166 der insgesamt 209 stimmberechtigten Verbände waren im Mai für die Studie - die FIFA versteht das als Auftrag. «Im Tennis werden auch die Hauptturniere jedes Jahr gespielt - und die Qualität leidet darunter nicht», sagte Ronaldo.

In Europa hatten in den vergangenen Tagen etliche Organisationen opponiert - allen voran die UEFA. Ceferin ist FIFA-Präsident Gianni Infantino in Abneigung verbunden. Infantino äußerte sich am Donnerstag zunächst nicht persönlich, in einem Video hatte der Schweizer am Mittwoch aber bekräftigt, bis Ende des Jahres Klarheit anzustreben. «Mehr ist nicht immer besser», hatte dagegen Ceferin gesagt. Die UEFA richtete am Donnerstag eine Konferenz zur Zukunft des europäischen Fußballs aus - die Neuigkeiten von der FIFA dürften kaum für Freude gesorgt haben.

Kritik auch aus der Bundesliga

Auch die Zusammenschlüsse der Ligen in Europa (European Leagues) und weltweit (World Leagues Forum) sind gegen die Kalenderreform. Ebenso hatten sich etliche Fangruppen positioniert. «Wir würden nicht per se sagen, wir machen nicht mehr mit. Aber wir würden im Vorfeld ganz klar unsere Position beziehen. Ich bin der Meinung, dass es nicht vernünftig ist», sagte Bayern-Präsident Herbert Hainer beim SpoBis-Kongress in Düsseldorf. RB Leipzigs Trainer Jesse Marsch meinte: «Ich mag diese Idee nicht.»

Mit der Reform würden weitergehende Änderungen einhergehen. Wenger nannte zwei Optionen für den Kalender: Entweder gäbe es nur noch eine lange Abstellungsperiode für die Qualifikationsspiele im Oktober/November oder zwei - eine im Oktober/November und eine im März. Derzeit wird die Saison in den nationalen Ligen mehrfach unterbrochen. Auf das jüngste Quali-Fenster folgen bis zum Jahresende noch zwei weitere Anfang Oktober und Anfang November.

«Wir werden nicht die Anzahl der Spiele erhöhen», betonte Wenger. Streich forderte genau das: «Es reicht an Spielen. Wenn wir dann schauen müssen, wie wir es gestalten, immer weniger Winterpause. Die Terminhatz ist ja unglaublich.»

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