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Sportpolitik

Französischer Fußballverbandschef lässt Posten vorerst ruhen

Paris (dpa)

Der Druck auf Frankreichs Fußballverbands-Chef nahm zuletzt enorm zu. Aussagen über Ex-Weltmeister Zidane brachten ihm prominente Kritik ein. Nun zieht er sich zurück - aber nur vorerst.

Von dpa

Noël Le Graët räumt vorerst seinen Posten als FFF-Präsident. Foto: Jeremy Lempin/EPA/dpa

Der in der Kritik stehende Präsident des Französischen Fußballverbands Noël Le Graët zieht sich vorerst von seinem Amt zurück. Dies habe er mit Zustimmung des Vorstands beschlossen, teilte der FFF mit.

Le Graët will seinen Posten demnach bis zur Veröffentlichung eines Prüfberichts zu Missständen innerhalb des Verbands räumen. Der Sender France Info berichtete, dass der Bericht für Ende Januar erwartet wird.

Derzeit läuft eine vom Sportministerium eingeleitete Untersuchung gegen den Verband und Le Graët zu Missständen wegen des Vorwurfs der sexuellen Belästigung. Le Graët soll einem Bericht der Zeitschrift «So Foot» vom vergangenen September zufolge SMS mit sexuellen Anspielungen an Mitarbeiterinnen geschickt haben.

Auch Geschäftsführerin Hardouin vorläufig suspendiert

Der Vorstand entschied auch, FFF-Geschäftsführerin Florence Hardouin vorläufig zu suspendieren. Der bisherige Vizepräsident des Verbands, Philippe Diallo, soll übergangsweise die beiden Posten ausfüllen. Die Zeitung «Le Parisien» berichtete, dass ein Rücktritt Le Graëts aber nicht diskutiert worden sei.

Zuletzt war der Verbandschef durch weitere Anschuldigungen der sexuellen Belästigung sowie durch Aussagen über den ehemaligen Weltmeister Zinédine Zidane weiter unter Druck geraten. Dem «Parisien» zufolge entschuldigte Le Graët sich bei dem Vorstand für seine Worte und stritt die Vorwürfe ab.

Viel Kritik nach Aussagen über Zidane

Am Sonntag war Le Graët beim Sender RMC Sport zu einem möglichen Engagement des ehemaligen Welt- und Europameisters als Nationaltrainer von Brasilien gefragt worden. «Er kann hingehen, wohin er will», hatte Le Graët lapidar unter anderem gesagt. Es sei ihm völlig egal. Und hätte Zidane versucht, mit ihm zu telefonieren, wäre er nicht mal rangegangen. Zuvor hatte Le Graët den Vertrag mit Nationaltrainer Didier Deschamps verlängert. Zidane war als möglicher Nachfolger von Deschamps im Falle einer Trennung gehandelt worden.

Die als respektlos gewerteten Aussagen brachten Le Graët viel Kritik ein. Frankreichs Superstar Kylian Mbappé schrieb auf Twitter: «Man missachtet eine Legende nicht so.» Frankreichs Sportministerin Amélie Oudéa-Castéra sagte: «Der Präsident (Emmanuel Macron) ist wie die Franzosen wirklich enttäuscht und verletzt, wenn solche Aussagen über solche Legendes des französischen und des Weltsports getroffen werden.» Le Graët räumte ein, seine Worte seien ungeschickt gewesen und sagte, er wolle sich bei Zidane entschuldigen.

Le Graët kandidiert derzeit für eine weitere vierjährige Amtszeit im Council des Weltverbands FIFA. Er wird vom portugiesischen Verbandschef Fernando Gomes herausgefordert. Die Wahl findet am 5. April beim Kongress der Europäischen Fußball-Union UEFA in Lissabon statt.

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