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Nach Anfang-Rücktritt: Werder schon wieder auf Trainersuche

Bremen (dpa)

Es ist wohl der spektakulärste Trainer-Rücktritt seit Christoph Daum. Markus Anfang verlässt Werder Bremen, weil gegen ihn wegen eines vermeintlich gefälschten Impfpasses ermittelt wird.

Von Lars Reinefeld, dpa

Muss sich nach einem neuen Trainer umschauen: Werder-Geschäftsführer Frank Baumann. Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Werder Bremen kommt einfach nicht zur Ruhe. Erstliga-Abstieg, finanzieller Überlebenskampf - und nun auch noch der zurückgetretene Cheftrainer Markus Anfang, gegen den die Staatsanwaltschaft wegen des Vorwurfs der Impfpassfälschung ermittelt.

Mitten in einer Zeit, in der die Corona-Zahlen von Tag zu Tag rasant steigen und Deutschland vor einem extrem komplizierten Winter steht. «Der Vorwurf, der im Raum steht, ist massiv», sagte Geschäftsführer Frank Baumann in einem auf der Club-Homepage veröffentlichten Interview. Mit tiefen Augenrändern kommentierte der Sportchef das Aus für Anfang, der mit seinem gemeinsamen Rücktritt mit Co-Trainer Florian Junge am Samstag einer Freistellung nur zuvor kam.

«Wir hätten uns aufgrund der Indizienlage natürlich auch mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen auseinandergesetzt. Erst einmal mit dem Thema Beurlaubung, aber dann eventuell auch mit einer Verdachtskündigung», sagte Baumanns Geschäftsführer-Kollege Klaus Filbry.

Turbulente Stunden an der Weser

Es waren turbulente Stunden an der Weser vor dem Topspiel gegen den FC Schalke 04 (1:1). Am Freitagabend wurde auf einmal die Polizei am Weserstadion vorstellig mit einem Durchsuchungsbeschluss für die Wohnung von Anfang. Da dieser kooperierte und seinen offenbar nicht korrekten Impfausweis und weitere Unterlagen aushändigte, kam es nicht zur Durchsuchung der Wohnung. Das Ende von Anfangs Zeit an der Weser war damit aber unausweichlich. «Wir haben durch den Besuch der Polizei eine sehr klare Indizienlage präsentiert bekommen. Markus Anfang hat diese auch präsentiert bekommen und daraus dann seine Schlüsse gezogen», sagte Filbry vor dem Schalke-Spiel.

Anfang hatte sich da längst von der Mannschaft verabschiedet, der Vertrag wurde ohne Abfindung sofort aufgelöst. Eine Verfehlung eingeräumt hat der 47-Jährige, der am Freitag noch vehement seine Unschuld beteuert und angegeben hatte, geimpft zu sein, bislang nicht. Die Tatsache, dass er wenige Stunden vor dem Schalke-Spiel seinen Rücktritt einreicht, sagt aber viel. Die Trainerkarriere des Ex-Profis dürfte erst einmal beendet sein.

DFL mit klaren Worten

Auch die Deutsche Fußball Liga reagiert mit klaren Worten. «Wir kennen die Fakten nicht. Sollte sich aber der im Raum stehende Verdacht bestätigen, wäre dies ein nicht hinnehmbarer Affront gegenüber allen, die sich in den vergangenen Monaten haben impfen lassen und so ihren Beitrag zur Corona-Eindämmung geleistet haben.»

Werder muss sich nun wieder auf Trainersuche begeben. Anfang war erst im Sommer an die Weser gekommen und sollte bei den Grün-Weißen nach dem ersten Abstieg seit 41 Jahren den Wiederaufbau starten. «Wir wollten mit Markus etwas Neues aufbauen und hatten die Hoffnung, dass wir hier über mehrere Jahre etwas gestalten mit unseren jungen Spielern», sagte Baumann bei Sport1.

Dem 46-Jährigen, der Anfang am Freitag zunächst noch den Rücken gestärkt hatte, war die persönliche Enttäuschung über die Entwicklungen anzumerken. «Es wäre in der heutigen Zeit stark zu verurteilen, wenn jemand während einer Pandemie einen Impfausweis fälscht. Das muss jetzt nicht heißen, dass Markus das auch getan hat. Aber falls doch, muss man mit aller Härte vorgehen», sagte Baumann.

Bremens Sportchef hatte sich im Sommer nach einer akribischen Trainersuche für Anfang stark gemacht, Werder zahlte sogar eine Ablösesumme an den SV Darmstadt 98, wo Anfang seit dem Wechsel als Persona non grata gilt. Nun muss sich Baumann wieder auf die Suche begeben, will sich dabei aber auf die Erkenntnisse des Sommers stützen. «Es hilft schon, dass wir den Trainermarkt sehr ausführlich gescannt haben. Der eine oder andere Kandidat ist vielleicht nicht mehr auf dem Markt, der eine oder andere ist dafür vielleicht neu dazugekommen.»

Schnelle Lösung bevorzugt

Natürlich sei es der Wunsch, eine schnelle Lösung zu finden, «aber es ist auch wichtig, dass wir den Richtigen finden. Das kann auch ein paar Tage dauern», sagte Baumann. Gegen Schalke betreute der bisherige zweite Co-Trainer Danjiel Zenkovic das Bremer Team. Eine Dauerlösung soll er aber nicht sein.

Das nächste Spiel bestreitet Werder am kommenden Samstag bei Holstein Kiel. Der dort Mitte September zurückgetretene Ole Werner soll einer der Top-Kandidaten sein. Der 33-Jährige hatte zuletzt geäußert, bereit für eine neue Aufgabe zu sein. Auch der vor Kurzem bei Norwich City entlassene Daniel Farke wurde am Samstag rund um das Weserstadion genannt. Baumann wollte keine Namen kommentieren. Filbry machte nur eines klar. «Wir werden aber natürlich den Impfstatus beim nächsten Mal intensiv prüfen.»

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