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Formel 1

Vettel und Singapur: Das Ende einer besonderen Beziehung

Singapur (dpa)

Sebastian Vettel und Singapur - das ist eine spezielle Geschichte. Zum letzten Mal wird der viermalige Formel-1-Weltmeister am Sonntag über den Stadtkurs rasen. Nirgendwo gewann er öfter.

Ferrari-Pilot Sebastian Vettel lässt nach seinem Sieg 2019 in Singapur die Champagnerkorken knallen. Foto: Vincent Thian/AP/dpa/Archivbild

An diese magischen Glücksgefühle im gleißenden Flutlicht denkt Sebastian Vettel immer wieder gern. «Ich habe viele fantastische Erinnerungen an Rennen in Singapur. Ich habe die Herausforderungen der Strecke immer geliebt», sagte der viermalige Formel-1-Weltmeister vor seiner Abschiedsvorstellung beim Sauna-Grand-Prix in Fernost.

Fünfmal gewann Vettel das härteste Rennen des Jahres, nirgendwo sonst auf der Welt war er in seinen mehr als eineinhalb Jahrzehnten in der Formel 1 erfolgreicher. Verbunden waren die Triumphe für den mittlerweile 35-Jährigen immer mit spezieller Genugtuung. «Diese Herausforderung zu meistern, ist unglaublich befriedigend – besonders im Qualifying», sagte der Hesse und ergänzte bei einem Medientermin hinter der Aston-Martin-Garage: «Ich habe die Herausforderungen hier genossen, denn physisch ist es ein hartes und forderndes Rennen.»

Vettel: «Ein richtiger Stadtkurs»

Die Betonwände sind sehr nah, schon der kleinste Fehler hat fatale Folgen. Die Sicht unter tausenden strahlenden Lichtern in der Nacht ist ungewohnt, der Grand Prix ist zeitlich zudem einer der längsten. «Es ist ein richtiger Stadtkurs - absolut unerbittlich, mit Kurve nach Kurve und einigen unglaublich schnellen Abschnitten», sagte Vettel vor dem WM-Lauf am Sonntag (14.00 Uhr/Sky) in der Millionen-Metropole.

2019 machte die Formel 1 letztmals auf dem Marina Bay Street Circuit Station, ehe die Corona-Pandemie für zwei Absagen sorgte. Der bislang letzte Sieger vor drei Jahren: Sebastian Vettel. Noch im Ferrari wurde er mit dem obligatorischen Gewinner-Feuerwerk gefeiert. Das hatte er sich in Asien auch schon 2015 sowie von 2011 bis 2013 im Red Bull sogar dreimal nacheinander verdient.

Besonders der Triumph vor neun Jahren blieb Vettel im Gedächtnis. Zu dieser Zeit war er auf dem Weg zu WM-Titel Nummer vier so dominant, dass er bei der Siegerehrung ausgepfiffen wurde - in erster Linie von den genervten Ferrari-Fans, die ihn später nach dem Wechsel zu den Italienern doch noch in ihr Herz schließen sollten.

«Es war einer der Tage, wo ich gespürt habe, dass meine Leistung voll gestimmt hat. Und dann die Rückmeldung, ausgepfiffen zu werden, war natürlich keine schöne», sagte Vettel später dem Schweizer «Sonntagsblick» über jenen Großen Preis und nannte das einen «Tiefpunkt» seiner Laufbahn. Auch ein Zusammenstoß mit seinem damaligen Ferrari-Teamkollegen Kimi Räikkönen 2017 gehört zu den negativen Singapur-Erinnerungen.

«Der Meister unter Flutlicht»

Ob Vettel noch eine positive hinzufügen kann, ehe er nach dieser Saison zurücktritt? «Wir sind nicht hergekommen und erwarten, unter den Top-Platzierten zu sein, aber es ist eine Strecke, wo ich einen Unterschied machen kann», sagte Vettel am Donnerstag im Fahrerlager. Der Grand Prix biete die Möglichkeit, mit gutem Fahren weiter nach vorne zu kommen.

«Vielleicht gibt es hier mehr zu holen als an einem normalen Wochenende», sagte der Aston-Martin-Fahrer. Nochmal ein Rennen zu gewinnen, das 54. seiner Karriere, oder zum fünften Mal auf die Pole Position zu rasen, scheint bei nur noch sechs verbleibenden Versuchen jedoch so gut wie ausgeschlossen. 

Doch zumindest ein kleiner Höhepunkt in einer bislang schwachen Saison täte dem Heppenheimer gut. Bei 14 Starts - zweimal fehlte der WM-13. wegen einer Corona-Infektion - reichte es nur sechsmal für die Top Ten. Rang sechs in Baku war die beste Platzierung.

Den «Meister unter Flutlicht» nannte die Formel 1 Vettel schon auf ihren Kanälen. Der enorme Druck, tadellos abliefern zu müssen, dazu die körperlichen Herausforderungen bei 30 Grad und mehr sowie bei extremer Luftfeuchtigkeit, spornten Vettel in der Vergangenheit unweit des Äquators zusätzlich an. «Es kommt hier alles zusammen», sagte er.

Auch das Team müsse in Singapur zu jeder Sekunde hellwach sein. Safety-Car-Phasen nach Unfällen sind eher die Regel als eine Ausnahme, nur mit der richtigen Strategie ist etwas möglich.

Leise Hoffnung machen aber auch ein paar technische Neuerungen. «Wir bringen einige Verbesserungen mit», sagte Teamchef Mick Krack. Die Veränderungen sollen dafür sorgen, dass Vettel und sein kanadischer Teamkollege Lance Stroll zumindest im Mittelfeld wieder regelmäßiger um WM-Punkte kämpfen können. «Wir gehen mit einem optimistischeren Gefühl zu unserer Wettbewerbsfähigkeit in die nächsten beiden Rennen», sagte Stroll.

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