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Volleyball: Bundesliga

„Wie in einem Löwenkäfig“ - USC Münster vergibt gegen Wiesbaden zwei Matchbälle

Münster

Beide Teams schenkten sich nichts. Unter dem Strich gewann der USC Münster in der Heimpartie gegen Wiesbaden sogar mehr Punkte als der Gast – aber nicht das Spiel. Trainerin Lisa Thomsen begab sich in der ersten Analyse in den Spagat zwischen Lob und Kritik.

Von Wilfried Sprenger

Emotionale Momentaufnahmen: Maria Schlegel (Bild li.), Lisa Thomsen (Bild rechts oben) sowie Schlegel im Jubel-Verbund mit Iris Scholten (hinten) und Katerina Valkova. Foto: Jürgen Peperhowe

Mitunter sind es wirklich nur Sekundenbruchteile oder Zentimeter, die im Sport über Wohl und Wehe entscheiden. Das Bundesligaspiel zwischen dem USC Münster und dem VC Wiesbaden dauerte am Samstagabend schon länger als zwei Stunden an, als sich Juliane Schröder hochschraubte, um die Partie ultimativ zu entscheiden. Doch der Ball wollte nicht übers Netz, sondern rollte ein Stück an der Kante entlang und tropfte dann zurück in die USC-Hälfte. Es war ein Matchball für Münster, der letzte von zweien, danach hatten die Gäste Oberwasser und gewannen die Partie nach 141 Spielminuten mit 3:2 (17:25, 25:21, 21:25, 26:24, 15:11).

Was sich für den USC einige Zeit an diesem Abend richtig gut anfühlte, endete jäh in einer Enttäuschung. „Beide Mannschaften hatten es verdient, dieses Spiel zu gewinnen“, krächzte Benedikt Frank, Wiesbadens Coach mit USC-Vergangenheit, später ins Mikrofon. Damit war er nahe dran an der Wahrheit: Tatsächlich hatte es keiner der Kontrahenten verdient, dieses Spiel zu verlieren. Glück, Pech? „Immer dann, wenn wir uns an die Taktik gehalten und sehr diszipliniert gespielt haben, waren wir besser“, konstatierte Münsters Trainerin Lisa Thomsen viel sagend.

Vor 687 Zuschauern spielte der USC einen formidablen ersten Satz. Der Block verdiente das Prädikat herausragend, die Hessinnen bekamen kaum einen Ball auf den Boden, beinahe ungläubig schauten sie sich gegenseitig an. Eigentlich meldete sich Wiesbaden erst im zweiten Abschnitt an. Mit der Schweizerin Laura Künzler an der Aufschlaglinie gelang ein 5:0-Lauf (von 3:7 auf 8:7), fortan war es eine Begegnung auf Augenhöhe mit wechselnden Führungen, langen Ballwechseln und spektakulären Abwehrszenen. „Es wurde zunehmend kampfbetonter. Manchmal habe ich mich gefühlt wie in einem Löwenkäfig“, sagte die starke Mittelblockerin Juliane Schröder.

Das war nicht das, was Thomsen wollte. Im Eifer des Gefechts ließ die Konzentration auf das Wesentliche nach. Münster nahm Druck aus dem Aufschlag, die Annahme wurde schwächer und im Angriff verlor das Team an Durchschlagskraft. Wiesbaden gewann den zweiten Satz, der USC konterte im dritten. Es ging hin und her, ein manchmal wildes Spiel, von beiden Mannschaften mit großem Herzen und ebensolcher Leidenschaft geführt. Als Wiesbaden im vierten Durchgang 17:11 führte, wechselte Thomsen kräftig durch und schickte jene Spielerinnen in die Arena, die bis dahin wenig Anteile hatten. Tatsächlich saßen Katerina Valkova, Iris Scholten, Maria Schlegel und Marta Hurst (schon länger) draußen, als Meghan Barthel, Nikolina Maros und Elena Kömmling die Last trugen und die Fans mit einem wunderbaren 9:1-Lauf aus der Sitzposition rissen. „Ich habe sie nicht reingeschickt, um den anderen eine Pause zu geben, sondern weil ich ihnen zu 100 Prozent vertraue“, erklärte Thomsen die Rotation. Und beinahe wären ja auch alle Pläne und Wünsche aufgegangen. Präsident Martin Gesigora klammerte jedenfalls schon am Tribünen-Geländer, als Mia Kirchoff auf 24:22 stellte und zwei Matchbälle erzwang. Die erste Chance zum Spielgewinn vergab Scholten mit einem Fehlaufschlag, die zweite ist hinlänglich beschrieben. Eine dritte gab es nicht. Nervenstark und mit einiger Qualität wendete Wiesbaden das Blatt und ließ sich dann im Tiebreak nicht mehr einfangen. Thomsen haderte eine Weile, dann stellte sie das Positive heraus: „Wir haben gezeigt, dass wir super guten Volleyball spielen können.“

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